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11 Fragen – Mit Sara Danielsson unterwegs auf dem E1

Vor ein paar Tagen zog ich eine Postsendung von der Geobuchhandlung in Kiel aus meinem Briefkasten. Darin waren zwei gerade erst erschienene Bücher, in denen jeweils eine Werbeanzeige abgedruckt war, die ein Bild von mir ziert. Als ich dann durch das kleine Büchlein aus dem Conrad Stein Verlag zum E1 zwischen Kautokeino und dem Nordkap blättere, entdecke ich darin meinen Namen!

„Wie cool ist das denn!“ entfährt es mir, als ich lese, dass die Autorin des Buches Sara Danielsson mein Buch Norwegen der Länge nach an erster Stelle als Leseempfehlung zum E1 nennt. Und als ich dann das Autorenbild von Sara entdecke und auf ihrem Blog vorbeischaue, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Wir haben uns sogar einmal persönlich getroffen, ohne voneinander zu wissen. Als wir im März aus dem Sarek kamen, traf ich Sara in der STF Station von Ritsem und wir sprachen kurz über ihre Ausrüstung, ohne uns richtig einander vorzustellen. Nun fallen die Puzzleteile an ihre Position und wieder einmal zeigt sich, wie klein die Skandinavien-Gemeinde ist!

Nun also liegt das Buch von Sara vor mir und ich bin echt begeistert. Der E1 gewinnt ja gerade rasant an Popularität, auch im Norden. Es gibt zwar gute Infos im Internet, aber ein kompaktes Büchlein dazu, gerade für den letzten Abschnitt hin zum Nordkap, wäre schon echt cool.

Und genau dieses Buch hat Sara nun geschrieben. In dem Büchlein aus dem weithin für seine guten Wanderführer bekannten Conrad Stein Verlag beschreibt sie den E1 von Kautokeino bis hoch hinauf zum Nordkap. Wie gewohnt findet man in dem Buch alles, was man zu der Wanderung wissen muss und wissen sollte. Man muss sich jetzt bloß noch die entsprechenden Landkarten besorgen und schon kann es losgehen.

Wenn ich nun also das neue Buch einer so profunden Kennerin des hohen Nordens vor mir liegen habe dachte ich mir, dass ich ihr doch auch gleich ein paar Fragen rund um das Buch und ihren Nordlandvirus stellen kann. Gesagt, getan!

Hallo Sara, ich erreiche dich in Ritsem, erzähl doch mal, wie du dahin kommst und was du da machst?

Ich arbeite in Ritsem beim Schwedischen Tourismus Verbund (STF). Die Anlage in Ritsem kann man als Jugendherberge beschreiben: einfacher Standard aber es gibt alles was man in den Bergen braucht. Ich war schon häufiger auf Wanderungen oder Skitouren hier und mir hat es immer sehr gefallen. Dann habe ich irgendwann beschlossen mich einfach mal um eine Stelle zu bewerben – und es hat ja funktioniert! 🙂

Und wie lebt es sich so weit ab vom Schuss?

Ritsem ist rund 200 km vom nächsten Supermarkt und der nächsten Tankstelle entfernt, da ist gute Planung gefragt! Ich bin aber mit dem Auto hier und konnte deswegen alles auf Vorrat mitbringen. Lebensmittel, ein Benzinkanister und auch ein paar Bierchen 😉

Mir gefällt die Abgelegenheit, die Menschen kommen einander näher und man ist weniger anonym. Ich komme aus Hamburg, also ein riesen Unterschied zu einem klitzekleinen Dorf am Ende der längsten Sackgasse Schwedens.

Was fasziniert dich so sehr am Norden?

Die Weite und die Freiheit sich in der Natur zu bewegen. Zelten, Angeln und Beeren sammeln, Sonnenschein rund um die Uhr oder Nordlichter. Die Natur bietet so unglaublich ausgeprägte Jahreszeiten. Im Sommer mit Glück 30 Grad und strahlende Sonne, im Winter oft -40 und totale Dunkelheit. Die Kontraste ziehen mich an, viel schöner als der ewige Nieselregen in Norddeutschland!

Von Deutschland nach Schweden, war das eine große Umstellung?

Ich empfinde Deutschland und Schweden nicht als so extrem unterschiedlich, aber das liegt sicher daran, dass ich fünf Jahre in Portugal gewohnt habe. Der Kulturschock von Portugal nach Schweden zu ziehen war schon enorm: wenig Wärme, keine drei Restaurantbesuche die Woche mehr, nicht mehr jeden Abend surfen gehen…

Aber ich bin sehr glücklich in Schweden, die Leute sind freundlich und behandeln mich nicht als Aussenstehende, in Portugal war das oft ganz anders. Egal wie lange ich dort gewohnt habe, so wurde ich meistens doch auf meine Nationalität reduziert. Gerade auch weil ich so bleich bin und wirklich nicht als Portugiesin durchgehe. Auch auf dem Arbeitsmarkt und was die soziale Absicherung angeht, sieht es in Portugal sehr düster aus. Solche Aspekte haben mir früher nichts bedeutet, da kam es nur auf das Surfen an. Aber wenn man auf die 30 zugeht… 😉

Wie kam es, dass du dir ausgerechnet den E1 für dein erstes Buch vorgenommen hast?

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht mehr sicher, wie ich zuerst auf die Idee gekommen bin. Ich habe eine große Übersichtskarte vom „Nordkalotten“ an der Wand und habe mir alle Wanderwege angeschaut. So kam dann wohl die Überlegung nicht nur auf dem Nordkalottleden oder dem Kungsleden zu wandern, sondern ganz bis ans Nordkap. Ja, und für die Strecke gab es eben noch keinen Wanderführer.

Autorin zu sein, den Wunsch hege ich wohl schon seit langer Zeit: ich habe immerhin sieben Jahre Literaturstudium hinter mir. Reiseführer zu schreiben macht allerdings viel mehr Spaß als trockene Aufsätze oder Artikel für wissenschaftliche Publikationen zu verfassen!

Aus eigener Erfahrung weiß ich ja, wie viel Arbeit in einem Buch steckt. Wie lange hat es bei dir gedauert? Von der Recherche bis zum fertigen Reiseführer?

Ich habe mit der theoretischen Recherche im März 2016 begonnen und war dann im Sommer eine ganze Weile zur praktischen Recherche (sprich: wandern und fotografieren) in der Finnmark. Im Herbst habe ich dann mit dem Schreiben begonnen und das fertige Manuskript im Dezember eingereicht. Einen Wanderführer zu schreiben dauert einfach unheimlich lange, alle kleinen Details sollen ja so korrekt wie möglich sein.

Was war dein Lieblingsabschnitt auf „deinem“ E1 Stück?

Es gibt viele Abschnitte und Plätze die mir gefallen. Wenn man das erste Mal das Meer sieht, die gemütlichen Hütten, aber auch die seltenen Möglichkeiten Proviant einzukaufen. Und dann natürlich das Nordkap, welches besonders Nachts zu empfehlen ist, wenn kaum andere Touristen dort sind und das Licht magisch ist.

Gerade in der Finnmark kommt es ja auch sehr auf das Wetter an: was an einem Tag der gemütlichste, warme Platz zum im Gras liegen und Abendessen ist, kann an einem anderen Tag eine dem Sturm ausgesetzte, kahle Ebene sein.

Die Erlebnisse können sehr unterschiedlich sein und ich habe deshalb auch versucht meine Empfindungen nicht zu sehr in das Buch einzubauen.

Wie war das Gefühl dein Buch das erste Mal in der Hand zu halten?

Unglaublich spannend! Allerdings auch etwas gruselig: unter dem gesamten Schaffensprozess war das Buch immer eine Datei auf meinem Computer und ich konnte alle Kapitel immer wieder verändern. Ist erstmal alles auf Papier gedruckt und steht in den Regalen des Buchhandels, dann habe ich keine Macht mehr über mein Werk. Finde ich jetzt noch einen Fehler oder eine Passage, die ich gerne anders formulieren würde, dann ist es zu spät.

Du bist ziemlich viel draußen im Norden unterwegs, hast du irgendwelche Geheimtipps auf Lager von denen wir alle profitieren können?

Ich möchte allen Wanderbegeisterten, die gerne in den Bergen Skandinaviens unterwegs sind dazu raten nicht zu früh in der Saison zu gehen. Mitte Juni haben wir in Mitteleuropa den Winter schon lange vergessen und natürlich kann man es kaum abwarten endlich wieder auf Tour zu gehen… aber der Schnee und die Kälte hier oben sind nun mal hartnäckig. Ich habe hier viele Gäste gesehen, die wirklich enttäuscht waren, weil ihre Tour im Sarek oder auf dem Nordkalottleden wirklich überhaupt nicht so war, wie sie sich das vorgestellt hatten. Möchte man über grüne Gebirgswiesen wandern, Blaubeeren pflücken und sich nicht durch morschen Schnee vorankämpfen, dann sollte man wirklich mindestens bis Mitte Juli warten. In schneereichen Jahren gerne auch länger.

Viele riefen an oder schrieben eine Mail und fragten ob es möglich sei den Sarek zu durchqueren. Darauf kann ich nur antworten, dass es sicher möglich ist (Mut, gute Ausrüstung und Erfahrung vorausgesetzt) aber ob es Spaß macht, das ist mal eine ganz andere Frage.

Ich hab ja immer Solbærtoddy als Getränk und Walters Mandler Schokolade mit im Rucksack, was darf bei dir unterwegs nicht fehlen?

Toddy habe ich gerade auch hier, das trinke ich am liebsten zum Frühstück, ich trinke nämlich keinen Kaffee. Was es sonst immer bei mir im Rucksack gibt, ist eine 200g Tafel Marabou und solche „Varma Koppen“ Tütensuppen. Das habe ich immer als Notvorrat mit dabei. Wenn ich es mir aussuchen könnte, wären auch immer ein paar Packungen Real Turmat gefriergetrocknete Mahlzeiten mit dabei, aber die sind ja nicht wirklich günstig.

Was sind deine Pläne als nächstes? Wäre nicht mal Norge på langs ein Ding für dich?

Ich schreibe zur Zeit an einem weiteren Reiseführer für den Conrad Stein Verlag, 25 Tagestouren im Norden Portugals. Ich werde im Herbst auf jeden Fall nochmal nach Porto fliegen und einiges recherchieren. Ansonsten bin ich relativ unentschlossen was als nächstes kommt. Gröna Bandet oder Vita Bandet durch die schwedische Gebirgskette vielleicht? Norge på langs ist auch eine Tour, die mich sehr interessiert, aber einfach unglaublich zeitintensiv. Ich könnte mir vorstellen eine solche Wanderung auf mehrere Jahre zu verteilen.

Ich bin auch sehr an Trailrunning interessiert und überlege mehr Zeit in den Bergen mit Laufen zu verbringen.

Tusen takk Sara für den Einblick in die Arbeit rund um dein Buch! Schön, dass wir etwas mehr über dich erfahren dürfen! Ich wünsche dir für dein Buch ganz viel Erfolg und richtig viel Spaß bei deinen nächsten Abenteuern im hohen Norden und in Portugal! Beim nächsten Treffen in Ritsem oder wo auch immer gebe ich einen aus, versprochen. Wer mehr von Sara lesen möchte, dem sei ihr Blog wärmstens empfohlen. Dort finden sich zahlreiche spannende und informative Beiträge rund ums Draußensein!

Hier geht’s lang: https://sara-danielsson.com

Auch ich war damals auf meiner Norge på langs Tour immer wieder stückweise auf dem E1 unterwegs. Damals hätte mir Saras Buch wirklich gut geholfen, der Weg war dort oben im hohen Norden 2013 gerade erst fertig markiert worden. Aber nun hab ich ja das Buch und falls ich dort noch einmal unterwegs sein werde, ist es ganz sicher mit im Rucksack!

  

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