Simons Blog

Mit dem German Norwegian Network zu Besuch in Trondheim

„Was machst du denn im Jackett in Trondheim?“ Das war einer der ersten Kommentare zu einem Bild von mir, das ich auf Facebook postete, als ich vergangenen Mittwoch nach Norwegen aufbrach.

Was ist denn überhaupt dieses German Norwegian Network oder kurz GNN, von dem du nun schon öfter im Ansatz berichtet hast und wie kommt man da hinein? Sind das nicht nur krasse Businessmenschen dort? Unterwegs mit Anzug, Krawatte und dem stellvertretenden deutschen Botschafter in Norwegen im Schlepptau dazu, da passt du ja irgendwie so gar nicht rein!

Anzug? Schlipsträger? Und dazwischen du?

Als ich im Sommer 2015 von einem mittlerweile guten Bekannten angeschrieben und zum Treffen des GNN in Berlin eingeladen wurde, musste ich erstmal Erkundigungen einholen und nachfragen, was denn überhaupt dieses German Norwegian Network ist und was es macht, denn es war mir bis dato überhaupt kein Begriff.

Was sich zu Anfang vielleicht anhört wie eine stocksteife Wirtschaftsdelegation, immer auf der Jagd nach dem nächsten Businessdeal, ist in Wirklichkeit das Gegenteil und ein bunter Haufen von Leuten aus allen möglichen Arbeitsbereichen, die sich um den interkulturellen Austausch zwischen Norwegen und Deutschland bemühen.

Es soll also ausdrücklich kein Businessnetzwerk sein, sondern schlicht Menschen mit entsprechendem Hintergrund aus beiden Ländern zusammenbringen. Und wenn man dann zum Beispiel das norwegische Öl-Ministerium besucht, gehört die entsprechende Kleidung einfach mit dazu. Hm, hört sich immernoch alles sperriger an, als es wirklich ist.

Was machen wir beim GNN?

Schnell war mir dann klar, dass ich auf den ersten Blick eigentlich nicht unbedingt dort hinein passe, es mir aber auf jeden Fall einmal ansehen möchte. Nach dem Treffen seinerzeit in Berlin und meinem Vortrag in den nordischen Botschaften zu meiner Wanderung war der zweite Blick dann überaus positiv. Mittlerweile glaube ich, dass ich sehr gut in die Gruppe rund um das GNN passe, bin ich doch für mein Empfinden eine Art Friluftsliv-Botschafter für Norwegen in Deutschland.

Das GNN wurde 2004 von deutschen Botschaft in Oslo und der norwegischen Botschaft in Berlin ins Leben gerufen, um Menschen aus beiden Ländern zusammenzubringen, in erster Linie mit direktem Bezug zu beiden Ländern, die in der Wirtschaft, der Kultur oder zum Beispiel der Politik aktiv sind.

Man wird dem Vorstand von einem anderen Mitglied für das Netzwerk vorgeschlagen und bekommt dann in der Regel eine Einladung zum nächsten Treffen.

Nachdem ich im Anschluss an meinen Vortrag damals vom Vorstand des GNN gefragt wurde, ob ich Mitglied werden möchte und dies umgehend bejahte, nahm ich von da an so oft es geht an den Treffen teil, die 2 Mal im Jahr abwechselnd in Deutschland und in Norwegen stattfinden.

Auf in die alte Hauptstadt

Dieses Mal stand Trondheim als Ort unseres Treffens auf dem Programm. Das freute mich beim Blick auf die Einladung sehr, war ich doch bisher nur kurz und auf der Durchreise in der alten Königsstadt.

Wir trafen uns am Donnerstag Nachmittag in einem Hotel in der Innenstadt mit einem herrlichen Blick auf Trondheim und den gleichnamigen Fjord. Nach der Begrüßung und einer kurzen Vorstellungsrunde stellte uns die Journalistin Ingrid Brekke (von der Tageszeitung Aftenposten) ihr neues Buch über Angela Merkel in entspannter Runde vor. Es war für alle ziemlich spannend, einmal einen Blick von außerhalb Deutschlands auf die Politik in unserer Bundeshauptstadt zu werfen.

Im Anschluss an den Vortrag ging es für uns auf Einladung der deutschen Botschaft in Oslo in ein hervorragendes Restaurant im Herzen der Stadt, wo wir uns bei ausgezeichnetem Essen weiter ganz entspannt austauschen konnten.

Ein Einblick in die Industrie 4.0

Der Donnerstag war geprägt von spannenden Einblicken in die Welt der Öl-Industrie sowie der in Trondheim ansässigen Universität NTNU. Das Stichwort „Omstilling“ gab dabei die Richtung vor, ist doch die Abkehr von der Öl-Abhängigkeit und der damit einhergehende Strukturwandel hier in Norwegen derzeit in aller Munde.

Bei Siemens Subsea ging es direkt am Morgen los, dort werden unter anderem Antriebe und Infrastruktur-Technik für die Schifffahrt und Offshore-Industrie gefertigt. Wenn ich bisher dachte, mein Job wäre bisweilen etwas kompliziert, musste ich dort meine Meinung etwas revidieren, denn beim Vortrag zur Unterwasser-Stromversorgung von Bohrinseln und Offshore-Förderanlagen (dem sog. Siemens Subsea Power Grid) blieb mir aufgrund der angesprochenen Kosten und Projekt-Dimensionen der Mund vor Staunen weit offen.

Es ist schon unglaublich, wie viel Technik, Entwicklung und Ingenieurskunst zum Beispiel in einem Transformator steckt, der mitunter 3000 Meter tief auf dem Meeresgrund zuverlässig seinen Dienst verrichten soll. Auch von der ersten voll elektrischen Fähre Ampere, die am Sognefjord verkehrt, wurde uns berichtet, ebenso wie von der Hybrid-Fähre Prinsesse Benedikte, die von Puttgarden aus auf der Vogelfluglinie ins dänische Rødby bereits seit längerer Zeit zuverlässig unterwegs ist.

Die Elektromobilität ist in Norwegen also schon fester Teil des Alltags und auch in Deutschland schon da, spannend zu sehen, was uns die Zukunft in diesem Bereich bringen wird .

Weiter ging es dann zur NTNU, der technischen Universität Trondheim. Dort wurde uns vom Dekan der Fakultät der Ingenieurwissenschaften und Technologie die Arbeit der Universität näher gebracht.

Anschließend bekamen wir einen sehr interessanten Vortrag von Philip Ringrose, der an der NTNU unter anderem im Bereich der CO2 – Speicherung (CCS) forschend und beratend tätig ist. Diese Technologie könnte in Zukunft zum Beispiel in fossilen Kraftwerken einen Teil der Treibhausgase abscheiden und es anschließend möglich machen, diese zum Beispiel zurück in den Meeresboden zu bringen, was in Norwegen in einer Versuchsanlage bereits seit bald 20 Jahren erfolgreich gemacht wird. Das Thema ist durchaus komplexer als ich es hier in wenigen Sätzen wiedergeben kann, aber es ist überaus spannend und ein Ansatz, um die Treibhausgase in Zukunft zu minimieren.

 

Nach ein wenig frischer Luft auf dem Weg zu Fuß in die Innenstadt durften wir in einem unscheinbaren Gebäude direkt am Marktplatz einen weiteren Einblick in die norwegische Öl-Industrie bekommen. Wir waren dort zu Gast bei Aker BP und wurden über die sogenannte Industrie 4.0 informiert.

Konkret heißt das bei Aker BP, dass sie dort von einem Kontrollraum aus die Ivar Åsen Ölförderplattform in der Nordsee komplett fernsteuern könnten, wenn sie denn wollten. Die Öl-Förderanlage wurde erst an Weihnachten 2016 in Betrieb genommen und verfügt derzeit über eine Besatzung von 70 Mann, kann aber auch ganz einfach von Trondheim gesteuert werden. Bei solch eingesetzter Hochtechnologie kommen natürlich direkt Fragen bezüglich der IT-Sicherheit usw. auf, aber wenn man hört, wie viel Entwicklungsarbeit und dergleichen darin steckt, bekommt man eine Ahnung davon, was in Zukunft alles sicher möglich sein wird und auch schon möglich ist.

Nach so vielen interessanten Vorträgen ließen wir dann den Abend erneut bei einem gemeinsamen Essen ausklingen.

Das alte Trondheim

Der Samstagvormittag stand ganz im Zeichen der Stadt Trondheim. Wir bekamen eine Stadtführung und besichtigten den Nidarosdom.

Gegen Mittag klang das Treffen bei einem sogenannten Sildbord in der Altstadt aus. Das Restaurant Baklandet Skydsstasjon kann ich da nur empfehlen, sofern man unterschiedlichste Heringsvariationen in einem urigen Ambiente mag.

Wie man sieht, bietet einem das German Norwegian Network wirklich spannende Einblicke, Vorträge und Gespräche – immer rund um die gemeinsame Basis Norwegen. Es öffnen sich dabei aufgrund des Netzwerkes spannende Türen, die einem ansonsten oft verschlossen blieben. Ich für meinen Teil habe dort schon oft wie ein Kind bei der Sendung mit der Maus in einem spannenden Vortrag gesessen, den manche Themen spielen in meinem Alltag in der Tiefe oft einfach (leider) keine große Rolle.

Daher macht mir der Austausch mit den anderen Mitgliedern stets außerordentlich viel Freude, und darum komme ich immer wieder gerne zu den GNN – Treffen. Wer einmal zum GNN eingeladen oder von einem Mitglied vorgeschlagen wird, dem kann ich die Teilnahme nur wärmstens empfehlen.

Die restliche Zeit in Trondheim ließ ich mich einfach durch die Stadt treiben, erkundete die kleinen Gassen mit ihren bunten Häusern und genoss die entspannte Stimmung bei tollem Wetter. Ich werde ganz sicher irgendwann zurück nach Trondheim kommen. Mir hat es dort ausgezeichnet gefallen und die Vielfalt an Aktivitäten, die man rund um die Stadt unternehmen kann, ist wirklich groß!

2 Kommentare

  1. Michael Rapp

    Hei Simon!
    Habe mit Freude Deinen Artikel gelesen und freue mich, dass Dir die Tage in Trondheim etwas bedeutet haben. Das sind die indirekten Rueckmeldungen, die eine tolle immaterielle Belohnung fuer die Muehen der Organisation sind 😀. Bis zum naechsten Mal! Gruss, Michael

    1. Simon
      Simon

      Hei Michael, ja, Trondheim war wirklich klasse und ich kann mich für die super Organisation nur herzlich bedanken, weiß ich doch selbst aus eigener Erfahrung, wie schwierig so etwas ist. Bis spätestens zum nächsten Mal! LG Simon

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.