Norwegen 2010

Prolog:

Irland war super, aber was kommt jetzt? Diese Frage stellte sich bald nachdem ich aus Irland wieder daheim war und begann, meinen Sommerurlaub zu planen. Wiedermal hatte keiner Zeit, Lust oder was auch immer, um mit mir zu Fahren. Egal, geht es wieder Solo los.

Nachdem ich das Forum durchwühlt und günstige Flüge gefunden hatte, stand fest: Es geht nach Norwegen!

Die Hardangervidda schien mir genau das Richtige zu sein. Ich hatte jetzt 17 Tage Zeit für den Trip. Die Planungen begannen, ich besorgte mir die entsprechenden Karten und Reiseführer. Praktischerweise erschien Mitte Juli der neue Hardangervidda Führer vom Conrad Stein Verlag in der neuesten Auflage. Ein Tipp brachte mir auch eine Mitgliedschaft beim DNT ein. Es sollte dort für Neumitglieder eine Freifahrt von Norway Busekspressen geben. Schnell den Antrag ausgefüllt und ich bekam aus Oslo mein Ticket von Haukeliseter nach Oslo für den 21.08.2010 zugeschickt.

Es sollte von Oslo mit dem Zug nach Finse gehen. Von dort aus wollte ich das Aurlandsdalen erwandern und mit der Flåmsbahn wieder auf die Hochebene nach Myrdal fahren (Danke wiederum für die Tipps an Ulrich / Nordwärts) um dann anschließend wieder von Finse aus nach Haukeliseter zu laufen. Zeit für einen Tag in Flåm und die Fjorde sollte dabei auch drin sein. Die Planungen schritten voran, als ich mit meinen alten Kumpel Hannes über die Reise sprach. Ich hatte unser Gespräch schon längst wieder vergessen, als er sich ungefähr drei Wochen vor der Reise meldete. Er gedenke mich zu begleiten, er müsse sich nur noch die fast komplette Ausrüstung besorgen, die Flüge und Zugfahrt buchen und nebenbei seinen Umzug nach Hannover abwickeln. Na gut, wie er meint, dachte ich. Wird schon wissen was er tut

Wir trafen uns abends dann mal, erklärte ihm grob was ich vor habe und was er so benötige. Wir hakten ab was er schon besaß, ich durchwühlte meine Klamotten und lieh mir ein paar Sachen bei einigen Kumpels. Danke an Micha und Robert für Stöcke und Rucksack. Ein paar Klamotten kaufte Hannes sich dann einfach in der Woche vor der Reise oder lieh es sich bei seinem alten Herrn. Schnell war alles in der Woche vor dem Abflug beisammen. Das war mal sehr spontan. Allerdings würde er mich nur in der ersten Woche der Reise begleiten, da er im zweiten Teil seines Urlaubs noch weiter südlich gelegen Ziel ansteuern wollte. Die zweite Woche würde ich dann wie geplant alleine (allerdings jetzt mit einem doppelt so schweren Zelt) bestreiten. Nach kleinen Problemen bei der Buchung der Zugfahrt konnte es losgehen. Die Spannung und Vorfreude stieg.

Vorabend – Donnerstag 05.08.10 Packen

Nach dem letzten Arbeitstag freue ich mich wie Bolle. In den Tagen vor der Abfahrt hatte ich noch letzte Besorgungen wie z.B. Batterien etc. erledigt und die eine oder andere Ausrüstung ergänzt. Da Hannes noch in Hannover weilt und länger arbeiten muss, beginne ich nach der Arbeit meine Sachen zu packen. Schnell ist alles im Rucksack flugtauglich verstaut und die restlichen Sachen befinden sich in meinem Handgepäckjutebeutel.

Hannes meldet sich irgendwann, es wird noch dauern. Um 21:00 Uhr kommt er endlich in Hannover los. Na gut, kein Problem, wir wollen ja erst um 06:00 Uhr am nächsten Tag Richtung Flughafen. Man, man, man, dass wird knapp, aber wird schon alles irgendwie passen. Hab jetzt also noch ein wenig Freizeit und warte bei einigen herb-blonden Friesinnen und Matt Watson / DMAX auf ihn. Um 23:00 Uhr ist er endlich da, wir beraten kurz was er mitnehmen wird und verstauen alles. Es passt und ich bin ein wenig erleichtert, dass die ganze Hauruck Aktion scheinbar zu klappen scheint. Darauf eine letzte eiskalte Friesin vor dem Abflug.

Tag 1 Freitag 06.08.10 Hennen – Düsseldorf – Oslo –Finse

Der Wecker klingelt um 05:30 Uhr und ich merke ein leichtes Ziehen in der Rübe. War vielleicht doch eines der Biere gestern nicht mehr gut gewesen? Keine Ahnung, wird schon. Schnell aus dem Bett und unter die Dusche. Rödel mein Geraffel ins Auto und schnappe mir noch eine Thermoskanne Kaffee. Um 06:00 Uhr geht’s los. Meine Schwester bringt uns nach Düsseldorf. Über die A40 geht es schneller als erwartet zum Airport. Gegen 07:00 Uhr sind wir da, der Flug soll um 09:30 Uhr gehen.

Hannes füllt noch schnell etwas Gin gegen die norwegischen Mücken in seine SIGG Flasche, hatte er zu Hause nicht mehr geschafft. Wir stiefeln zum Check-In und werden direkt wieder weggeschickt. Ab zum Sperrgepäck Schalter. Da werden wir dann unsere Rucksäcke los. Hoffentlich sehen wir sie in Oslo direkt wieder. Nachdem wir noch kurz (für unserer Meinung nach Unsummen, aber das Gefühl für teuer verschob sich dann doch deutlich während des Urlaubs) gefrühstückt haben, kaufen wir noch kurz etwas Lektüre, falls wir uns wider Erwarten doch einmal gegenseitig auf den Sack gehen sollten. Mankells Der Chinese und Hummeldumm von Tommy Jaud wandern noch ins Gepäck. Zum Flug gibt’s nicht viel zu sagen und so landen wir pünktlich bei Nieselregen um 11:30 Uhr in Oslo Gardermoen.

Wir stiefeln zum Gepäckband, ziehen unsere Stiefel an und treffen unsere beiden Begleiter vollständig und unversehrt wieder. Das hat ja schon mal gut geklappt. Wir ziehen uns am Automaten die Tickets für den Flytoget, den Direktzug in die Stadt, und sitzen fünf Minuten später im Zug nach Oslo. 20 Minuten später stehen wir im Hauptbahnhof von Oslo. Die bestellten Zugtickets nach Finse sind schnell abgeholt. Wir beschließen unsere Sachen in ein Schließfach zu packen und in die Stadt zu gehen.

Erleichtert um unser Gepäck und 40NOK gehen wir zum DNT und zum XXL Sportladen. Beim DNT hole ich mir einen Hüttenschlüssel und im XXL besorgen wir uns Gas für den Kocher und einen ganzen Haufen Real Turmat in allen möglichen Geschmacksrichtungen. Anschließend stärken wir uns kurz beim König der Burger und verschaffen uns einen Überblick über Oslo. Wir latschen etwas Planlos kreuz und quer bei Regenwetter durch die Stadt. Wir landen in Akker Brygge. Langsam wird es dann aber Zeit für uns. Der Zug soll um 16:07 Uhr gehen. Im nächsten Supermarkt besorgen wir noch Frühstück für die Tour, Getränke sowie ein paar Hopfenkaltschalen für die 4h Zugfahrt. Unterwegs treffen wir noch ein typisch deutsches Touristenpärchen.

Zurück am Bahnhof schnappen wir uns unsere sieben Sachen und gehen zum Bahnsteig. Der Zug kommt und ich renne erst mal in den falschen Wagen des hilflos überfüllten Zuges, ich Depp. Hannes hatte natürlich recht und wir besteigen dann doch noch den richtigen Waggon. Die Plätze waren reserviert und wir hatten uns im Vorfeld den NSB Komfort Sitz gegönnt. Los geht’s dann Richtung Finse. Wir verlassen langsam Oslo und der Zug rumpelt gemächlich vor sich hin.

Ich sehe mich ein wenig im Zug um und entdecke am Ende unseres Waggons eine kleine Sitzecke mit gemütlichen Sesseln vor einer Panoramascheibe. Sehr gut. Der Kaffee ist auch in Griffweite und so machen wir es uns dort bis nach Finse hin gemütlich. Die Landschaft fliegt vorbei und wir genießen die Aussichten. Hannes will mir partout nicht glaube, dass es oben in Finse so gut wie gar keine Bäume oder ähnliches gibt. Bis kurz vor Finse zieht er mich auf, dass er immer noch Bäume sieht. Einen Tunnel später sieht die Sache anders aus. Nichts außer Steinen, Moosen und Flechten ist jetzt noch zu sehen. In Kürze erreichen wir gegen 20:30 Uhr Finse.

Wir raffen uns auf aus den gemütlichen Sesseln und Schultern die Rucksäcke. Wir steigen aus und sofort zieht der Hardangerjøkul uns in seinen Bann. Nach kurzer Orientierung beschließen wir in der DNT Hütte unser Glück für den ersten Tag zu probieren. Nach kurzem Fußmarsch erkundige ich mich nach einem Schlafplatz. Ja, haben sie, allerdings nur noch auf dem Fußboden. Alles proppenvoll und wir sind spät dran. Was nun? Ach kein Problem. Gehen wir halt Zelten. Wir hatten auf der anderen Seite vom See schon andere Zelte gesichtet. Schnell über den Ablauf vom See und wir suchen uns einen netten Platz zum Zelten. Der Blick auf die Umgebung und den Gletscher ist beeindruckend. Schnell ist das U-Boot der Mark II Light Klasse aufgebaut und wir essen unser erstes Real Turmat.

Wir entspannen danach ein wenig vorm Zelt bei einem Absacker, allerdings sind die Mücken eine echte Plage. Wir haben natürlich vergessen in Oslo Anti-Mückenmittel zu kaufen, müssen wir dann wohl mal morgen nachholen. Ergo kriechen wir schnell dann in unsere Kojen, gespannt darauf was uns erwarten wird.

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