Norwegen 2011 – Teil 3 Trollheimen & Oslo

3. Woche Trollheimen & Oslo

Tag 16 Sonntag 18.09.11 Oppdal – Gjevilvasshytta

Guten Morgen! Nee, doch nicht, keine Lust. Das Leeren von Jørns Aquavit Resten gestern hat bei mir zu leichtem Unwohlsein am Morgen geführt. Es ist 7:00 Uhr und ich hab keinen Bock. Aber was soll´s, Jørns Zug nach Oslo wird nicht warten. Draußen ist es richtig kalt, auf dem Zelt hat sich Raureif gebildet. Da wir gestern Abend schon die Sachen sortiert haben, geht es heute Morgen recht schnell zu.
Ich gebe Jørn die Sachen mit, die ich nicht mehr brauche. Wir haben ja gestern für 8:00 Uhr ein Taxi geordert, von daher brauchen wir gleich nicht noch zum Bahnhof latschen. Pünktlich kommt das Taxi und fünf Minuten später sind wir dann in Oppdal am Bahnhof.

Wir lassen unsere Rucksäcke im Wartesaal und gehen Frühstücken. Leider hat wohl bis auf die Tankstelle an diesem Sonntag noch nichts auf. Zurück am Bahnhof erfahren wir, dass es heute auf der Strecke von Oppdal nach Dombås einen Schienenersatzverkehr gibt, die Strecke wird wohl gewartet. Jørns Puls beschleunigt sich leicht, die Zeit vom Zug zum Flug war auch so schon recht knapp bemessen. Naja, Augen zu und durch, wird schon

Wir versuchen noch eine Möglichkeit für mich zu finden, in Richtung Trollheimen bzw. Gjevillvasshytta zu kommen. Da ich mir die 100€ für ein Taxi ersparen möchte, werde ich wohl bis 13:00 Uhr auf den Bus in Richtung Sundalsøra warten. Der kann mich bis Festa bringen, wo die Mautstraße zur Hütte beginnt. Um 10:00 Uhr sitzt Jørn im Bus und ist auf dem Weg nach Oslo. Ein wenig Wehmut kommt auf.

Ich versuche noch Mal mein Glück einzukaufen und finde den Bunpris Supermarkt, der zwar teurer ist, aber auch sonntags offen hat. Nachdem ich mir ein paar Leckereien für die nächste Woche besorgt habe, gehe ich zurück zum Bahnhof und schlage die Zeit bis zum Bus Tod.

Dann kommt endlich der Bus. Ich zahle mein Ticket und kaum 20 Minuten später stehe in an der Mautstraße von Festa aus zur Hütte. Sehr gut, jetzt muss ich nur noch die 12km zur Hütte kommen.

Ich laufe los, passiere den kleinen Kaufmannsladen und die Mautschranken. Das Wetter ist toll und beschließe erst mal nicht zu Trampen sondern mich der Herausforderung zu stellen und zu laufen. Bald kommt der Gjevilvatnet in Sicht. Das Boot, auf das ich insgeheim gehofft hatte, liegt natürlich schon an Land. Wäre ja auch noch schöner gewesen mit dem Boot zur Hütte zu kommen.

Ich mache eine kurze Pause, trinke Tee und gönne mir ein Kvikk Lunsj. Die Aussicht ist echt super, die Vorfreude auf die nächste Woche steigt wieder ein bisschen. Wäre da nicht die Mautstraße. Ich setze mich wieder in Bewegung und sehe mir von der Straße aus die unzähligen Hütten hier an. Teilweise sind sie echte Kleinode, teilweise aber auch von automatischen Schranken gesichert.

Der Weg zieht sich wie Kaugummi und die Wegweiser mit den Kilometerangaben tragen nicht gerade zur Motivation bei. Nach circa 2h bin ich dann da. Gar nicht schlecht denke ich, ging ja doch schneller als gedacht. Aber für den Rückweg muss etwas anderes gefunden werden, ich bin nicht so erpicht darauf die 12km wieder zurück zu laufen.

An der Hütte treffe ich auf ein paar andere Wanderer. Sie haben gerade die klassische Trekanten-Tur (Gjevillvasshytta – Jøldalshytta – Trollheimshytta – Gjevillvasshytta) hinter sich gebracht. Wir unterhalten uns kurz, dann gehe ich zur Selbstbedienungshütte und quartiere mich für die Nacht ein.

Schnell den Ofen angemacht und dann sehe ich mir den tollen Sonnenuntergang an. Ich erfahre von Jørn, dass es zwar knapp war, er aber wohlbehalten zu Hause In Deutschland angekommen ist.

Später kommt noch ein zweiter Gast in die Hütte, Erwin ist ein Deutscher der schon 30 Jahre in Norwegen wohnt und seinen Urlaub hier verbringt. Wir unterhalten uns und Essen gemeinsam. Danach schreibe ich noch kurz mein Tagebuch und es geht ins Bett

Tag 17 Montag 19.09.11 Gjevilvasshytta – Jøldalshytta

Es ist 8:00 Uhr und ich sitze mit Erwin beim Frühstück. Ich hab schon Wasser geholt und Holz aufgefüllt. Irgendwie fühlt es sich ohne Jørn heute komisch an, ich muss mich ein wenig selbst in den Allerwertesten treten um in die Pötte zu kommen. Dann wieder Packen usw..

Abschied von Erwin und um 10:00 Uhr lasse ich die Hütte hinter mir und mache mich auf ins Gjørdøldalen. Bis zur Rolvsjordsætra gibt es noch eine Autopiste, der ich folge. Eine Schäferin fragt mich nach Schafen, sie sammeln auch hier die letzten Tiere ein. Es geht dann durch Birkenwald bergan. Ich komme ganz schön ins Schwitzen bis ich endlich oben bin.

Der Weg lässt sich gut gehen, keine Probleme. Nur der Wind hier oben macht mir etwas zu schaffen. Vorbei am Høgjøtjønna Sees führt der sehr schlammige Weg um Schlammlöcher herum wieder leicht den Berg hoch. Das Wetter ist nicht gerade berauschend aber es geht noch, immerhin regnet es nicht.

Schon bald geht es dann wieder steil bergab zur Brücke über die Minnilla. Schöne Aussichten auf die Berge im Zentrum Trollheimens ergeben sich.

Aber wo es runter ging, muss man meist auch wieder hoch. So auch hier. Es geht ein schönes Stück wieder hoch aus dem Minnilldal. Mit stoischer Ruhe und Ausdauer mache ich mich daran. Mittlerweile ist der Wind stärker geworden. Die Hälfte der Strecke von heute liegt hinter mir. Ich beschließe bald Pause zu machen. Gesagt getan. An einem großen Felsen auf dem nun folgenden Hochplateau raste ich und trinke eine Kanne Tee und esse ein Kvikk Lunsj.

Die Kälte und der Wind zwingen mich aber bald schon wieder zum Aufbruch. Echt ungemütlich hier oben. Der Weg an sich ist ganz gut, aber das Wetter quält mich doch ein wenig. Ich überquere zwei Bäche und sehe in einiger Entfernung eine Art Sammel- und Sortiergatter für Rentiere. Plötzlich höre ich ein aufgerecktes und aggressives Fiepen direkt bei mir. Was ist denn das? Ich gucke zu Boden und entdecke einen Lemming. Scheinbar bin ich aus Versehen fast auf ihn drauf getreten. Jetzt macht er mich doof von der Seite an und markiert hier mal den dicken Macker. Not in my house! Na gut, du hast ja recht, ich trolle mich und gehe weiter.

Beim Blick zurück sehe ich noch einige Rentiere, kann aber leider aus der Entfernung nicht sehen, ob es wilde sind.

Jetzt geht es wieder bergab ab, gut steil, aber kein größeres Problem. Schnell noch einen Bach überquert, leicht wieder hoch und auf einmal sehe ich eine Herde Rentiere direkt vor mir auf dem Weg. Es sind zwar keine wilden, eines trägt einen Sender, aber egal. Ich kann mich bis auf 30m näheren und schieße einige Fotos. Die Herde macht keine Anstalten zu verschwinden, erst als ich weiter auf sie zu gehe, laufen sie fort. Cooles Erlebnis.

Langsam kommen wieder einige Almen in Sicht. Es kann nicht mehr weit sein bis zur Hütte. Irgendwann komme ich auch auf die Versorgungsstraße der Hütte und bin dann auch bald da.
Wie zu erwarten war, ist die bediente Hütte schon geschlossen und für den Winter hergerichtet. Ich gehe zur Winterhütte, sehe mich um und entschließe mich dann an der großen Hütte zu Zelten. Wozu schleppe ich auch sonst meinen grünen Palast alleine durch die Gegend. Gesagt getan. Schnell steht das Zelt.

Ein tschechisches Paar kommt noch. Wir quatschen, sie tun es mir mit dem Zelten gleich. Dann hole ich mir Wasser und koche Kaffee. Der Blick auf die Berge ist echt super. Zu Abend gibt es Real Turmat. Der Wind ist kalt, so ziehe ich mich gegen 19:30 Uhr ins Zelt zurück. Ich lese, trinke Solbær Punsch und esse Brunost. Sehr gut.

Tag 18 Dienstag 20.09.11 Jøldalshytta – Trollheimshytta

Der Morgen beginnt wie immer. Nächtens war es ziemlich stürmisch, aber mein Zelt steht wie immer wie eine eins. Ein rasches Frühstück und dann wieder alles im Rucksack verstauen. Das Wetter ist nicht schlecht.

Der Weg über den Trollhøtta ist mir zu lang und bei den Wetteraussichten auch nicht unbedingt die erste Wahl. Ich will unterwegs entscheiden, ob ich durch das Svartådalen oder über den Geithøtta gehen möchte. Also los, bis zur Hosesætra geht es über Almfahrwege. Es fängt kurz an zu Regnen, aber nicht dramatisch, es verzeiht sich schnell wieder. Es geht hinter der Alm über den Bergrücken oberhalb der Schotterpiste zu den anderen Almen weiter hinten im Tal.

Das Wetter wird merklich besser, die Sonne kommt raus. Der Gedanke verfestigt sich, es über den Geithøtta zu probieren, auch wenn dies bedeutet reichliche Höhenmeter zu bewerkstelligen. Egal, das Wetter ist gut, die Etappe auch so nicht besonders lang, was sind da schon 650hm mit dem schweren Rucksack.
Schnell komme ich zu den letzten Almen im Tal, muss einmal den Fluss Svartåa über eine Brücke queren. Komme dann zur Retåssætra Alm. Ich plausche kurz mit einem Jäger und gehe dann weiter bis zur Brücke über den Litlsvartåa. Ziemlich viel Wasser kommt hier runter, ein schöner Wasserfall kommt in Sicht. Kurze Pause hier, schnell noch Wasser aufgefüllt, dann fällt die Entscheidung.

Ich weiß nicht wieso, aber ich als eigentlich faulster Mensch der Welt, entscheide mich für die Bergvariante. Keine Ahnung was mich dabei reitet. Schnell geht es einen steilen Anstieg hoch, dann wird es flacher. Gar nicht so schlimm, schnell sind die ersten 200hm überwunden. Der Blick zurück weiß zu gefallen. Schön hier, aber doch gut anstrengend.

Dann geht es durch eine Art kleines Plateau, leider wieder etwas abwärts, na toll. Auch schlammig ist es hier, aber man kann gut herüber zum Trollhøtta sehen.

Weiter geht es, es wird steiler, ich gewinne weiter an Höhe. Langsam zehrt es doch ganz schön. Aber wie so oft entschädigen die Aussichten rundum für die Anstrengungen. Viele Steine Pflastern hier wieder den Weg. Immer höher geht es, es ist total still hier, unfassbar toll.

Dann mache ich total ausgepumpt Pause. Ich leere eine ganze Thermoskanne Tee und esse ein Kvikk Lunsj.
Die Lebensgeister kehren langsam zurück. Nach der Pause scheint sich das Wetter zu ändern. Ich steige weiter auf und stehe bald ganz oben. Der Blick ist überwältigend, ich kann zurück bis zum Start am See heute Morgen sehen. Was ein Panorama. Sämtliche Qualen sind vergessen, ich bin total happy und kann es kaum fassen. Wie geil ist das denn.

Ich sammle noch einen Stein als Andenken für zu Hause ein. Dann mache ich mich wieder auf. Man kann die zentralen Berge von Trollheimen sehen, wunderschön.

Auch der Gråsjøen See und die Trollheimshytta kommen bald in Sicht, nur eben gute 800 Meter weiter unten. Hoch habe ich ungefähr drei Stunden gebraucht, mal sehen wie lange der Abstieg dauert.

Aber ausgerechnet jetzt ziehen Wolken auf, es fängt an zu Nieseln. Ja super, genau das Wetter, das man sich für so einen steilen Abstieg wünscht. Ich verfluche alles um mich herum, es haut mich mehr als einmal fast hin, die Stöcke werden zu meinen allerbesten Freunden, es ist zum kotzen. Erst geht es über Geröllhalden runter, dann über schlammig, rutschige Weg. Ein Traum in grau, braun, grün.

Wär ich doch mal durchs Tal gelaufen. Na wenigstens geht der Abstieg schnell, aber bei dem Runterrutschen hier auch kein Wunder. Dann kommt die Stettåa in Sicht. Der Fluss fließt steil und spektakulär den Berg hinab.

Von hier aus kann man dann auch die Hütte sehen, wenigstens etwas. Der Weg ist jetzt total ausgewaschen, nicht besonders toll, aber mangels Alternative nimmt man, was man bekommt. Bald schon bin ich dann an der Hütte. Insgesamt hab ich für den Abstieg circa 1,5h gebraucht, gar nicht schlecht, wenn man an die Umstände so denkt.

Es ist jetzt 16:30 Uhr und ich bin total fertig. Das Wetter ist auch nicht so toll und die Hütte steht direkt vor mir. Also geht es in die Hütte für die Nacht. Ich bin nicht der einzige Gast hier, zwei Finninnen sind auch da. Ich beziehe mein Bett und gehe mich mit heißem Wasser und der Badeschüssel duschen. Das tut nach dem Tag ziemlich gut. Der Resttag vergeht dann bei Kochen und Klönen. Auf der gesamten Tour ist dies die erste Hütte, mit dem expliziten Hinweis, aufgrund der Lemmingschwemme das Wasser abzukochen. Wir unterhalten uns lange über Gott und die Welt, echt entspannt. Gegen 22:00 Uhr gehen dann die Lichter aus. Gute Nacht.

Tag 19 Mittwoch 21.09.11 Trollheimshytta – Vassendsetra

Man oh man, wie die Zeit rast. Tag 19 schon, ist ja schon fast Arbeit, aber nur fast. Schnell sind alle Sachen wieder im Rucksack, das Frühstück ist auch schnell abgehandelt, ich empfehle mich. Da ich ja noch einige Tage Zeit habe, geht es für mich nicht auf dem direkten Weg zurück zur Gjevilvasshytta. Ich will entlang der Folda gehen und bis Vassendsetra kommen. Ist zwar vielleicht nicht so spektakulär, aber dafür soll es laut Karte wohl umso schlammiger werden.

Nun denn, auf geht’s, schnell die Brücke über die Stettåa genommen und dann weiter immer Richtung Folda. Erst geht es durch ein wenig sehr lichten Wald, dann kommen die ersten Schlammflächen.

Alter Schwede, da hab ich mir aber etwas vorgenommen. Es ist super schlammig und der Weg muss oft verlassen werden um überhaupt voran zu kommen.

Bald schon komme ich zur Løsetsetra Alm. Hier ist schon alles dicht. Ich folge dem Weg durch Birkenwald, echt schön hier, wenn man den Schlamm mal außen vor lässt.

Bald geht der Weg direkt am Fluss entlang. Der Schlamm nagt langsam an mir, es ist echt anstrengend sobald man geht, allerdings auch genauso toll wenn man stehen bleibt und die Natur um einen herum genießt.

Immer weiter geht es am Fluss entlang durch Schlamm und Moder. Ein ums andere Mal sinke ich tief ein, fluche, die Stiefel laufen voll. Vom Hochwasser früher im Jahr ist der Weg teilweise arg ramponiert, manchmal muss ich mühevoll Nebenflüsse überqueren. Aber egal, es ist einfach toll hier, keine Menschenseele ist im Tal. Der Weg scheint nicht oft begangen zu sein, frische Fußspuren sehe ich jedenfalls nicht.

Das Tal verjüngt sich nun, der Fluss wird reißender. Jetzt kommt ein schöner, steiler aber auch kurzer Anstieg. Durch Birkenwald geht es steil hoch. Ich komme ganz schön ins Schwitzen, bin genervt und merke die Anstrengungen des bisherigen Tages. Von Oben hat man einen schönen Blick zurück, wieder einmal verblasst das Negative schnell.

Ich mache Pause, leere wieder eine ganze Kanne Tee. Ich muss aufpassen, nicht einzuschlafen, aber ich bin total zufrieden mit mir und der Welt drum herum. Ist schon okay, wir vertragen uns wieder.
Nach der wohltuenden Pause geht es weiter. Es ist ein wenig nervig hier durch die Büsche zu turnen, aber dann wird es wieder lichter, dafür aber auch wieder schlammig.

Aber was soll mich das jetzt noch nach zweieinhalb Wochen stören. Weiter, immer weiter. Das Tal öffnet sich wieder weiter, es schlägt mich richtig in den Bann. Das Vorankommen fällt wieder leichter, ich merke wie ich mich entspanne und es einen heiden Spaß macht, es ist einfach wunderschön. Es geht nun immer leicht bergan, aber das macht nicht aus, im Gegenteil, es macht Spaß, immer wieder zurück zu blicken.

Dann geht es in das Hyttdalen, hier gibt es einige Seen und jede Menge feuchte Wege.

Dann kommt die Abzweigung zu den Wegen übers Mellomfjellet und in Richtung Bårdsgarden.

Der Blick über den Gjevillvatnet ist einfach nur super. Man kann sich gar nicht satt sehen. Toll.

Ich mache mich an den Abstieg zur Vassendsetra Hütte. Nicht ganz ohne, ziemlich steil und rutschig. Aber auch das meistere ich, bevor es wieder durch Birken hindurch zu der Hütte geht.

Eine gute halbe Stunde hat der Abstieg gedauert. Ich schließe die Hütte auf und sehe mich um. Ich entscheide mich wieder, einfach vor der Hütte zu zelten, sollte hier kein Problem sein, ich bin alleine und laut Hüttenbuch war auch seit Anfang September keiner mehr hier. Auch hier gibt es einen Hinweis, das Trinkwasser abzukochen. Ich baue das Zelt auf, stärke mich und esse zu Abend. Gegen 21:00 Uhr liege ich wieder einmal auf der Matte und schlafe.

Tag 20 Donnerstag 22.09.11 Vassendsetra – Gjevilvasshytta – Opddal

Na toll, als ich um 8:00 Uhr wach werde, regnet es. Egal, penne ich halt bis 9:00 Uhr weiter, heute soll es ja nicht so lang sein. Und wie bestellt hört es dann auf zu regnen. Ich frühstücke in Ruhe und packe dann meine Sachen. Schnell noch den Aufenthalt bezahlt und dann geht es los.
Es soll die ganze Etappe lang quasi nur am See entlang gehen. Ich ahne was mich erwartet. Die bisherigen Erfahrungen lassen auf viel Schlamm mit noch mehr Schlamm schließen.

Na dann los. Gleich am Anfang geht es über Holzplanken. Habe wohl gestern etwas viel gegessen, ich sinke teilweise mitsamt der Planken im Matsch ein. Naja, wäre ich eine Elfe könnte ich ja auch fliegen. Wenigstens das Wetter zeigt sich von seiner guten Seite.

Ich quäle mich durch Sumpf, Matsch, Sumpfwald und Matschwald. Elendig das Ganze. Zwischendurch gibt es trockene Passagen. Ich passiere den Glupbekken Wasserfall und trinke etwas.

Dann weiter bis zum Rensbekken Wasserfall bei der Rensbekksætra Alm. Wieder wird was getrunken, echt nett hier.

Der Weg wird aber hier besser, er zieht sich aber wie Gummi. Es scheint kein Ende zu nehmen. Irgendwie ist die Stimmung kurz vor dem Kippen. Langsam rückt das Ende der Tour in den Fokus. Gedankenspiele schwirren mir durch den Kopf, wie ich wohl nach Oppdal und dann weiter nach Oslo kommen soll. Ich überlege mir Pläne, Möglichkeiten, Ausweich und Notfallpläne. Ein wenig werde ich melancholisch, was war das nur für eine geile Zeit. Es geht durch Birkenwald, dann durch Nadelwald. Ich erreiche die Häuser bei Håmmårsætra. Geschafft, drei Stunden hab ich bisher gebraucht. Gar nicht schlecht. Was eine Tortur dies ansonsten so harmlose Etappe bis hierher war.

Jetzt nur noch 3km die Straße runter bis zur Hütte. Da will ich Pause machen und überlegen, wie es weiter geht.
Das Stück über die Straße wird echt zu einem Geduldsspiel. Es nervt mich und dauernd fahren schwere LKWs an mir vorbei, die hier wohl irgendwas abkippen.

An der Hütte trinke und esse ich etwas. In der Sommerhütte scheint wer zu sein. Ich gehe rein, tatsächlich, sie haben für eine private Feier geöffnet. Schnell ne Cola auf die Hand und nachgefragt, ob sie mich eventuell mit nach Oppdal nehmen könne. Leider Negativ, sie raten mir, es mit LKW zu probieren. Alles klar. Ich geh runter zur Straße und werfe mich in Tramperpose.
Der dritte LKW nach 20 Minuten hält dann an. Ich fass es nicht, total super, ich komme hier ohne die 12km zur Straße zu laufen raus. Hervorragend. Schnell noch den schweren Rucksack hoch in Fahrerhaus gewuppt und dann kann die Fahrt losgehen. Beim Einsteigen fällt mir auf, dass der LKW aus Oppdal zu kommen scheint, die Beschriftung lässt darauf schließen. Ich frage, ob auch Oppdal als Ziel möglich wäre. Ja klar, kein Ding, meint der Fahrer. Super, Jackpot! Um 15:00 Uhr bin ich in Oppdal und freu mich riesig, dass das geklappt hat.

Ich laufe rüber zum Bahnhof, hole mir ein Zugticket nach Oslo für den nächsten Tag. Dann noch zum Rema 1000 etwas einkaufen und dann wandere ich wieder zum geschlossenen Campingplatz vom letzten Mal. Man kennt mich ja schon, ich kann wieder bleiben. Baue das Zelt auf, dusche, koche Nudeln. Esse soviel Nudeln, bis mir fast schlecht ist, aber egal, habe mordsmäßigen Hunger. Dann fängt es an zu regnen und ich geh ins Zelt.

Tag 21 Freitag 23.09.11 Oppdal – Oslo

Um 7:00 Uhr klingelt der Wecker. Ich will nicht, aber ich muss. Also raus aus den Federn bzw. Daunen. Draußen ist es kalt und feucht, es hat Frost gehabt. Ich trotte zum Waschhäuschen und widme mich der Morgentoilette. Danach wird das Zelt abgebaut und ich packe alle meine Sachen im Waschhäuschen zusammen. Der Zug soll gegen 10:00 Uhr gehen. Das Frühstück fällt aus, das will ich mir in Oppdal besorgen. Gegen 8:00 Uhr mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof der 2km entfernt ist.

Diesmal gehe ich durch die Siedlung an der Straße und 20 Minuten später bin ich am Bahnhof. Dann geht es noch einmal etwa für die 5 Stunden Zugfahrt einkaufen. Die Wartezeit auf den Zug vergeht schnell.

Scheinbar hat wer in der Nacht ins Tourimusbüro eingebrochen, ich werde nett vom CSI Team Oppdal unterhalten. Dann kommt der Zug, ich suche meinen Platz.

Total krass ist es, wie lange es bis Ringebu dauert, von wo aus wir gestartet waren. Um 15:15 Uhr bin ich dann in Oslo.

Ich laufe zum Ankerhostel. Aus Schaden sollte man ja klug werden, ich nicht. Will es wieder dort probieren, kann ja nicht immer so schlimm sein wie letztes Jahr. Ich bekomme ein Bett im 8er Zimmer und fahre mit dem Fahrstuhl hoch. Sehr gut, das Zimmer ist leer, ich kann mir das Bett aussuchen und mich ausbreiten. Das nutze ich auch aus und hänge erst mal das Zelt zum trocknen auf. Das sollte funktionieren

Anschließend gehe ich raus in die Stadt. Sightseeing wartet. Lustig ist nur, dass als ich am Abend in das Zimmer zurückkehre, mein Zelt noch hängt, es auch trocken ist, aber alle anderen Betten belegt sind. Aber die anderen nehmen es mit Humor.

Tag 22 Samstag 24.09.11 Oslo

Nach dem Unschlagbar günstigen Anker Hostel Frühstück im Italiener zwei Häuser weiter, gibt es den ganzen Tag Oslo Sightseeing. Es ist am Nächsten Tag Oslo Marathon, dementsprechend ist viel los.

Abend ist bei mir auf dem Zimmer Kochparty. Sehr lustig. Die Leute bei mir auf dem Zimmer kennen sich von einem gemeinsamen Sprachurlaub in Australien. Nun treffen sie sich jedes Jahr im Heimatland eine anderen. Ein Deutscher ist darunter. Er ist ein wenig verwundert über die Norwegischen Preise, hatte sich nicht vor dem Trip darüber informiert.

Zwei Norwegerinnen kochen für alle, sie wollen in den Geburtstag der einen Norwegerin rein feiern. Um 0:00 Uhr ist dann großes Hallo. Ich gratuliere und sage, dass ich auch Geburtstag habe. Noch größeres Hallo! Dann entschwinden sie zum Feiern in die Nacht

Tag 23 Sonntag 25.09.11 Oslo – Düsseldorf – Iserlohn

Um kurz vor 8:00 Uhr ist die kurze Nacht zu Ende. Ich dusche und packe dann meinen Krempel zusammen. Passt alles irgendwie viel besser in den Rucksack als bei der Anreise. Ich lasse meinen Rucksack im Gepäckraum, checke aus und mache mich auf zum Frühstück im Restaurant ein paar Meter weiter die Straße runter. Dort treffe ich auf Markus von der Sprachgruppe. Wir unterhalten uns noch über meine Tour und ich zeigen ihm noch schon leicht wehmütig ein paar Bilder auf meiner Kamera.

Dann empfehle ich mich, ich will mir den Marathon und den Volkslauf heute angucken. Um 10:30 Uhr ist der Start, ich schlendere durch die Stadt und die Strecke entlang. Gute Stimmung hier, ganz Oslo scheint im Lauffieber zu sein. Alle tragen Laufklammotten und das Ganze ist ein riesiges Volksfest.

Irgendwann ist meine Zeit gekommen. Der Rucksack ist schnell im Anker Hostel abgeholt und ich nehme den normalen Zug zum Flughafen. Schnell den Rucksack aufgeben und durch die Security. Der arme Mann fordert mich doch tatsächlich auf, meine Stiefel auszuziehen. Na gut, wenn er will. Als er die Schuhe nimmt und sie auf das Band zum Röntgen stellt, sehe ich wie toll er den Geruch findet. Der Job kann wohl manchmal schon ätzend sein

Dann entspann ich noch bei zwei leckeren 89NOK Bieren und freue mich auch schon auf zu Hause. Mal sehen, was mich da noch so erwartet. Irgendwie haben sich heute ein paar Leute nicht wie erwartet gemeldet. Komisch, sind doch sonst die Jahre nicht so gewesen.

Nach dem kurzweiligen Rückflug und der Autofahrt nach Hause weiß ich auch warum. In der Einfahrt stehen völlig überraschend ca. 35 Leute und warten schon auf mich. War ja klar. Auch die Presse vom lokalen Werbewochenblatt ist da. Dass kann ja was geben. Aber egal, ich freu mich schon aufs Fegen in meinen äußerst stinkigen Klamotten. Der Abend wird noch feucht fröhlich und irgendwann gegen Mitternacht falle ich dann auch immer noch stinkend ins Bett.

Fazit

Was eine tolle Tour. Das Wetter und die Ausrüstung haben super mitgespielt. Na gut, die Stiefel haben es sich trotz einer vorher extra gemachten Neubesohlung hinter sich und werden aufs Altenteil wandern. Sie haben ihre Pflicht erfüllt und auch bis zum Ende durchgehalten. Die Neuen stehen bereits hier.
Auch die Strapazen und nicht so tollen Momente verblassen schnell. Es hat eigentlich fast immer eine Menge Spaß gemacht und war eine weitere tolle Erfahrung mit Norwegen und seinen Menschen. Ich möchte keinen Moment missen und freu mich schon wieder auf die nächste Tour im Norden. Vi sees – ha det bra!

Hier geht’s zur ersten Woche in Rondane und dann zur zweiten Woche im Dovrefjell

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