Simons Blog

Unterwegs in der schönsten Jahreszeit – der Herbst hält Einzug von Umbukta nach Sulitjelma

Der Abschied von Umbukta fällt schwer, zu hyggelig war der Ruhetag hier! Beim Frühstück treffen wir noch einen anderen deutschen Wanderer, und wie der Zufall es so will, stammt er aus dem gleichen kleinen schwäbischen Örtchen, in dem wir die letzte Zeit vor der Tour gewohnt haben. Wir kommen aus dem Lachen fast nicht mehr heraus, als wir uns über lieb gewonnene Supermärkte und Orte in der alten Wahlheimat unterhalten. Und auch der Abschied von Åste und Bison fällt schwer, sie werden hier heute einen Ruhetag einlegen, während wir zur nahen Sauvasshytta aufbrechen.

Das Wetter ist klasse und die ersten Vorboten des herannahenden Herbstes zaubern uns ein Lächeln ins Gesicht, denn nun bricht hier oben die schönste Jahreszeit im Jahr an: Der Herbst kommt mit seiner kristallklaren Morgenluft, mit bunten Fjellfarben und hoffentlich schon bald auch tanzenden Nordlichtern am Abend!

Die Hütte erreichen wir zügig, obwohl wir uns unterwegs echt Zeit gelassen haben, die Umgebung lädt einfach ein zum gucken und innehalten.

Hygge & Hyttekos

Die Hütte liegt einfach perfekt und ist wunderbar gemütlich. Bald schon prasselt ein Feuer im Ofen und wir genießen den Blick aus dem Fenster über den See hinüber zum Okstindan.

Als die Sonne langsam untergeht, bietet sie uns auf den umliegenden Bergen ein grandioses Farbspektakel, besser geht es kaum!

Der Weg zur Kvitsteindalstunet-Hütte zeigt dann mal wieder, dass auch kürzere Etappen durchaus ihre Schwierigkeiten bereit halten können, denn es gibt reichlich Sumpf und Matsch unter den Wanderstiefeln.

Aber die Etappe bietet auch wieder wunderbare Ausblicke und am Ende eine Hütte, nun ja, Hütte ist vielleicht das falsche Wort. Erst im letzten Jahr neu errichtet, beziehen wir ein kleines Häuschen, bei dem es an nichts fehlt! Die Panorama-Fenster im Wohnzimmer bieten einen herrlichen Ausblick auf den nahen Fluss und die herbstlichen Birken. Es gibt eine gemütliche Couch und eine Küche, wie man sie sich zu Hause wünschen würde. Ein Haus in der Wildnis also, in das wir direkt einziehen würden! Dementsprechend entspannt lassen wir den Tag hier ausklingen, es ist fast wie im Urlaub!

Zur Virvasshytta ist der Tag dann schon länger, sogar eine Rasthütte für den Notfall oder eine längere Pause gibt es hier.

Das Kvepsendal erweist sich dabei als herrliche, dramatische Wanderumgebung und die rötliche Färbung der Blaubeerblätter bietet dabei einen guten Kontrast zum Grau der umliegenden Berggipfel.

Die anschließende Querung des weiten Stabburbekkens mit seinen zwei Furten ist dann überhaupt kein Problem, im Gegenteil, die Weite und die Ausblicke lassen uns immer wieder kurz innehalten und verweilen.

Nach einer längeren Pause beginnt dann der Endspurt zur Hütte, es geht noch einmal gut bergan bevor wir die große Virvasshytta erreichen.

Niemand ist da und so machen wir uns daran, die Hütte mit etwas Kaminwärme zu füllen. Leider hat Anni sich eine fette Erkältung eingefangen und muckelt sich erstmal in ihrer dicken Daunenjacke und den Schlafsack aufs riesige Sofa, als noch zwei Arbeiter vorbei kommen, die hier in der Nähe für einen Energiekonzern einige Messinstrumente erneuert haben und sich kurz aufwärmen wollen. Wir unterhalten uns länger auf Norwegisch, was erstaunlicherweise schon ziemlich gut klappt, wir machen also Fortschritte!

Kurz darauf ist es dann richtig warm im der Hütte und wir essen und essen erstmal richtig, bevor wir dann zeitig zu Bett gehen.

Den Polarkreis vor Augen

Heute stehen dann fast 25 lange Kilometer zur Bolna-Hütte an – und Annis Erkältung entwickelt sich eher mittelprächtig, es geht ihr nicht besonders. Das sind die Momente einer Fernwanderung, bei denen man lieber einfach im Bett bleiben möchte …

Nach dem Frühstück brechen wir dann auf in den Nieselregen und Anni beißt auf die Zähne, insbesondere die ersten Anstiege sind zäh und mit Erkältung umso zäher. Dazu das usselige Wetter, da machen selbst die Pausen keine Freude.

Wir passieren den markanten Auronasa-Berg, dem Symbol des Rana-Wandervereins, und blicken dann voraus auf das Saltfjellet und den Polarkreis, beides ist nur noch einen Wandertag von uns entfernt. Wir nutzen ein Wetterfenster ohne Regen für eine längere Pause und blicken gebannt hinüber zum Saltfjell, der Polarkreis liegt vor uns – unglaublich!

Wir steigen weiter hinab in Richtung des Tagesziels, das weiter im Tal direkt an der E6-Straße liegt. Zuerst aber müssen wir noch auf den Fahrweg gelangen, der von einer Dammanlage hinab ins Tal führt. Hier wird ein ganzer Fluss quasi abgezapft und verschwindet in einem großen Loch im Boden, um ihn für die Energiegewinnung zu nutzen. Wir passieren den Fluss direkt am Damm, für den eher unwahrscheinlichen Fall von zu viel Wasser und einer Überspülung des Damms, gibt es etwas weiter flussabwärts auch noch eine richtige Fußgängerbrücke, die aber eher einen kleinen Umweg bedeuten würde.

Dann folgen wir der Straße und gehen dann noch etwa 5 Kilometer übers Fjell zur Hütte. Dabei quält sich Anni ziemlich, die Erkältung mehr ihr echt zu schaffen, daran können auch die herrlichen Lichtstimmungen und Ausblicke ins Tal nichts ändern. Es bleibt dann nur noch, sich am Abend möglichst gut zu erholen, wir tun unser Bestes dafür.

Der Polarkreis! Schon direkt beim Aufstehen ist diese ganz besondere Vorfreude bei mir da, Anni hingegen würde wohl lieber im Bett bleiben um sich richtig auszukurieren.

Gemeinsam beschließen wir dann beim Frühstück heute die lange Etappe nach Krukki wenigstens zu probieren und mal zu gucken wie weit wir kommen. Gesagt, getan, kurz darauf geht es los ins Fjell. Die Sonne kommt durch, das Wetter ist auf unserer Seite.

Gegen Mittag erreichen wir dann den Polarkreis und freuen uns wie kleine Kinder über diesen Meilenstein!

Wir legen eine lange Pause ein, kochen Tee und finden zu unserer Freude zwei Packungen mit Keksen in der kleinen Rasthütte, die Janaa aus Kiel extra dort für uns deponiert hat. Vor der Tour hatten wir uns in Kiel getroffen und lange miteinander gequatscht. Dieser Ort hier ist für sie ein ganz besonderer, denn hier in der Nähe steckt zum Gedenken an ihren Mann ein Schwert im Boden, die ganze Geschichte dazu findet sich im Hüttenbuch der Rasthütte am Polarkreis. Auch am Schwert machen wir länger Pause und hängen unseren Gedanken nach, wie froh und dankbar wir sind, gemeinsam eine solche Tour machen zu können. Es ist so ein großes Geschenk, so eine Wanderung gemeinsam zu erleben, das wird uns gerade jetzt wieder sehr eindrücklich klar.

Der anschließende Abstieg ins Bjøllådalen ist fies steil, aber gut zu bewältigen. Die Ausblicke kurz vorher hinab ins Tal sind der Hammer, dieser Abschnitt ist vermutlich mit der schönste auf unserem bisherigen Weg.

Nun gilt es noch dem Tal für fast drei Stunden zu folgen. Es ist wunderschön hier, das warme Licht der Abendsonne und der lichte herbstliche Birkenwald sorgen für eine wunderbare Stimmung, der sumpfige Boden mitunter für lautes Fluchen.

Gegen 19 Uhr erreichen wir nach 25 Kilometern doch ziemlich fertig die kleine Krukki-Hütte, wieder einmal zeigt sich, das Kilometerangaben in Norwegen nur sehr bedingt etwas zur Schwere der Etappe aussagen. Aber hei, wir haben den Polarkreis überquert!

Der neue Tag begrüßt uns mit leichtem Frost, der die niedrigen Gräser im Schatten rund um die Hütte mit einer dünnen Eisschicht verziert hat. Nach dem langen Tag gestern kommen wir etwas schwer in die Gänge, Annis Erkältung klingt leider auch noch nicht ab. Umso bemerkenswerter ist dann, dass wir kurz darauf wieder losziehen, diesmal ist die Distanz bis zur Lønsstua sogar noch länger. Ich bin wahnsinnig stolz auf Anni!

Der Herbst kommt mit großen Schritten

Zuerst folgen wir bei herrlichem Herbstwetter weiter dem Tal zur Saltfjellstua und gehen dann weiter in Richtung Steindalen.

Das Wetter ist wirklich klasse und wir kommen gut voran, legen hoch über dem Søre Bjøllåvatnet eine längere Pause in der Sonne ein und genießen den Ausblick.

Dann geht es weiter ins Steindalen, und wer Steine mag, ist hier genau richtig, denn es gibt sie hier in allen möglichen Größen und Formen. Zum Glück ist das Wetter gut, ansonsten bleibt der Spaß hier ganz sicher ganz schnell auf der Strecke!

Als sich das Tal wieder öffnet und wir die schlimmsten Steinpassagen hinter uns haben, legen wir erneut eine Pause ein, stärken und für den Endspurt, der dann noch einmal fast drei Stunden dauert. Es zieht sich wie Gummi, ein stetes Auf und Ab bis hin zum Bahnhof Lønsdal kurz vor der Hütte gibt uns dann den Rest.

Neben der DNT-Hütte gibt es dann noch ein Hotel, in dem wir es uns bei einer kalten Cola auf dem Sofa gemütlich machen, alter Schwede, sind wir kaputt! Das Hotel bietet sogar Duschen an, auch wenn man nicht hier wohnt. Dieses Angebot nimmt Anni nur allzu gerne an. Ich gehe schon mal voraus zur Hütte, und atme quasi die Tüte Chips ein, die ich mir gerade auch noch in Hotel gekauft habe. Als Anni von der Dusche kommt, essen wir nur noch und fallen bald darauf todmüde ins Bett.

Auf in den Junkerdalen-Nationalpark

Die zwei eindrucksvollsten und schönsten Etappen bisher liegen hinter uns, als wir am nächsten Morgen im Hotel entspannt und ausgiebig frühstücken. Die nächsten Etappen werden etwas gemütlicher und kürzer, darauf freuen wir uns jetzt schon sehr. Zuerst geht es heute in Richtung des Junkerdalen-Nationalparks, das wir gegen Mittag erreichen.

Der Campingplatz dort befindet sich schon im Winterschlaf, wie lange schon, das vermögen wir nicht heraus zu finden. Wir wollen durch das enge Skaitidalen über einen alten Fahrweg weiter gehen. Der Weg wurde schon vor geraumer Zeit aufgegeben und ist nicht ganz ungefährlich zu begehen, Teile des Weges sind in den Fluss gestürzt, über weite Strecken ist der Weg ordentlich zugewuchert und eigentlich die ganze Zeit besteht große Steinschlagsgefahr.

Wir kommen aber gut durch und finden auch noch Zeit, uns an den reichlich vorhandenen Himbeeren gütlich zu tun. Als wir auf der Hütte Trygvebu ankommen, haben wir fast eine ganze Trinkflasche voll mit Him- und Blaubeeren fürs Frühstück gepflückt.

Frühstück mit Beeren

Auf der Hütte begrüßen wir auch wieder Åste und Bison, die kurz nach uns eintreffen und einen etwas anderen Weg über die Graddis Fjellstue gewählt haben.

Am nächsten Tag laufen wir dann weiter durchs Skaitidalen über die Hütte Argalad zur Balvasshytta, die erst in diesem August neu eröffnet worden ist. Das obere Skaitidalen ist dabei eine echte Perle, eine herbstliche Augenweide vom Allerfeinsten!

Um den Balvatnet laufen wir dann entspannt zur Coarvihytta, wo uns eine Schulklasse auf der Hütte erwartet, aber alles halb so wild, auch wenn die Jungs alle ein Messer am Gürtel tragen, können sich alle benehmen und wir werden sogar mit leckeren Tacos versorgt! Perfekt!

Über die Straße erreichen wir dann den alten Bergbauort Sulitjelma, wo ein Paket mit Essen und eines mit neuen wärmeren Schlafsäcken und einem stabileren Zelt für den Herbst von Helsport auf uns im Supermarkt warten. Und noch jemand wartet dort auf uns, nämlich Werner und seine Frau Uta, die hier gerade mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Wir kennen uns von meiner ersten Tour 2013, als die beiden mich im Dovrefjell mitgenommen haben, weil ich mit meinem BVB-Aufnäher auf dem Rucksack an der Straße stand 😉 Wir sind seitdem immer wieder in Kontakt geblieben und heute hat es endlich mit einem Wiedersehen geklappt. Und Werner hat uns echt einen großartigen Gefallen getan, und unsere Einkäufe die 400 Höhenmeter hoch zur Ny-Sulitjelma gefahren, während wir mit unseren Rucksäcken hochgelaufen sind. Tusen takk für alles lieber Werner, auch für die kühlen Getränke im Kühlschrank und für die Ersatz-Mütze! Mega cool und einfach großartig, wir sehen uns demnächst zu Hause wieder!

Nun sitzen wir zusammen mit Jonas aus Dortmund hier auf der Hütte, schlagen uns die Bäuche voll und es macht Spaß, sich mal wieder auf die Ruhrpott-Art zu unterhalten, da sitzt jeder Spruch!

Und morgen verschwinden wir dann wieder im Fjell, erst Padjelanta und dann das Narvikfjell stehen auf dem Programm!

8 Kommentare

  1. Helge

    Ihr Lieben,
    nun habt ihr also den Polarkreis erreicht – und das sogar mit einer dicken Erkältung. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung!! 🙂
    Das war sicher ein ganz toller und bewegender Moment in eurem Leben, zumal ihr ja durch das Schwert zum Gedenken an Janaas Mann daran erinnert wurdet, dass ein Leben auch ganz anders verlaufen kann… Ich finde es übrigens richtig schön, wie ihr eure Wanderung in eurem Bericht als „großes Geschenk“ beschreibt.
    Sehr viel Freude hatte ich wieder an den vielen schönen Fotos. Die Landschaft in Nordwegen hat zwar gewisse „wiederkehrende Elemente“, ist aber immer noch ausgesprochen vielfältig und es ist toll, dass nach einem Marsch durch eine Steinwüste dann auch wieder tolle Herbstfarben die Landschaft verzaubern. Besonders schön finde ich das Foto durch das Fenster der Sauvashytta mit Blick auf den See und die Berge im Hintergrund.
    Es freut mich sehr, dass ihr mit den meisten der Hütten anscheinend sehr zufrieden wart und dass ihr nicht so oft im Zelt schlafen musstet – vor allem auch wegen deiner Erkältung, Anni! Eure Hüttenfotos strahlen viel Behaglichkeit aus und es ist sicher ein tolles Gefühl, nach einer langen Wanderung an einer schönen Hütte anzukommen und es sich dort gemütlich zu machen.
    Gut, dass ihr alles so zuverlässig organisiert und sogar für dickere Schlafsäcke und ein stabileres Zelt gesorgt habt. Ich hätte gar nicht gedacht, dass euer bisheriges Zelt für die kommenden herbstlichen Wochen in Nordnorwegen nicht ausreichend sein könnte. Ihr seid nun also bestens gewappnet! Trotzdem wünsche ich euch noch viele hyggelige Hütten auf eurem Weg!
    Wie schön auch, dass ihr Uta und Werner getroffen habt und dass sie eure Einkäufe transportieren konnten, dazu das „Ruhrpott-Treffen“ mit Jonas. Diese Begegnungen haben euch sicher gut getan!
    Ich wünsche euch nun weiter von Herzen alles Gute und hoffe, dass deine Erkältung, Anni, mittlerweile wieder abgeklungen ist. Passt gut auf einander auf! Ich freue mich schon riesig auf euren nächsten Bericht und sende euch liebe Grüße von Ostwestfalen in den hohen Norden, Helge

  2. Sandra

    Ihr Lieben,
    ich genieße es immer sehr, Eure Aufnahmen zu bestaunen und beim Lesen ganz in die Stimmung einzutauchen! Den Polarkreis zu erreichen klingt für mich völlig unwirklich und umso mehr bin ich ganz beeindruckt von Eurer Kraft und Freude! Weiterhin alles Gute!!
    Herzliche Grüße
    Sandra

  3. Sandra Schindler

    Ihr Lieben,
    ich genieße es immer sehr, Eure Aufnahmen zu bestaunen und beim Lesen ganz in die Stimmung einzutauchen! Den Polarkreis zu erreichen klingt für mich völlig unwirklich und umso mehr bin ich ganz beeindruckt von Eurer Kraft und Freude! Weiterhin alles Gute!!
    Herzliche Grüße
    Sandra

  4. Helge

    Hallo ihr Lieben, ich habe gesehen, dass ihr nun bereits den Vassijaure-See im norwegisch-schwedischen Grenzgebiet erreicht habt und schon ganz schön weit in den Norden vorgedrungen seid. Die Temperaturen sind entsprechend niedrig und ich hoffe, dass es euch weiter gut geht. Weiter von Herzen alles Gute! Liebe Grüße Helge

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