Simons Blog

Winter oh Winter – Ausgebremst auf dem Weg von Katterjokk nach Alta

Der Ruhetag in Katterjokk hat die Akkus richtig aufgeladen, wir haben ordentlich und gut gegessen, wenn der Supermarkt nur wenige Meter entfernt ist macht es das natuerlich auch bedeutend einfacher. Wir starten auf den naechsten Abschnitt mit einigen Kilometern auf der Strasse, wir wollen es heute wieder auf die norwegische Seite der Grenze schaffen, die Lappjordhytta haben wir dabei als Ziel angepeilt. Bis dorthin fuehrt uns der Weg die ersten gut 21 Kilometer ueber die Strasse in Richtung Abisko. Der Verkehr haelt sich in Grenzen, das Wetter haelt sich mit Regen zurueck und wir kommen gut voran. Gegen 14 Uhr erreichen wir nach einer ausgiebigen Pause den Abzweig zur Huette, noch 11 weitere Kilometer sind es nun. Auf und ab geht es durch lichten Birkenwald, der in den wunderschoensten Herbstfarben schillert. Es ist zwar etwas anstrengend zu gehen, aber das gemuetliche Ziel vor Augen motiviert dann doch immer wieder. Wir passieren die einfache Huette des schwedischen Wanderverbandes und kommen zum Grenzstein. Nun ist es nur noch gut einen Kilometer zur Lappjordhytta, dieser fuehrt aber konsequenter Weise einfach steil den Abhang hoch, auf dem die Huette in der Abendsonne strahlt. Willkommen zurueck in Norwegen!

Der Anstieg ist schnell ueberwunden, wir richten uns in der Huette ein, starten den Ofen und genießen die Ruhe nach einem langen anstrengenden Tag. Und die Aussichten von dieser Huette hinueber zum grossen Torneträsk-See und zu den Lapporten-Bergen, dazu muss man nicht viele Worte verlieren – Praedikat weltklasse!

Herbstdaemmerung

Das Wetter heute laesst uns beim Aufwachen erschaudern, wir blicken aus dem Fenster in eine einzige Waschkueche, na prost Mahlzeit! Der Tag startet mit dramatischen Wolken, viel Wind und waagerechtem Regen – allerdings nur so lange, bis wir quasi ueber den Wolken stehen, die sich hier am Talende aufgestaut haben. Innerhalb von Minuten reisst die Wolkendecke auf und blauer Himmel erstrahlt ueber uns.

Wir kommen gut voran und der Weg heute ist denkbar einfach, bis sich dann am Nachmittag das Schauspiel vom Morgen umkehrt und der blaue Himmel unter einer grauen Wolkendecke wieder verschwindet und uns der Wind regelrecht aus dem Fjell hinunter zum Altevatn-Stausee pustet. Zu Gast bei Freunden

Als wir wieder Handy-Empfang haben, rufen wir kurz bei Bjørn Klauer von der Huskyfarm in Innset an, dort wollen wir heute uebernachten und auch ein Versorgungspaket wartet dort auf uns. Wir haben Glueck und Bjørn ist gerade selbst unterwegs, erklimmt mit einem Rudel Welpen und seinen Helfern gerade einen der umliegenden Berge, macht quasi einen Sonntagsausflug und kann uns gleich an der Staumauer mit dem Auto einsammeln, das erspart uns einge Kilometer zu Fuss ins Tal, die ansonsten eigentlich eher ein Umweg waeren. Mit grossem Hallo begruessen wir uns, es ist die Rueckkehr zu einem ganz besonderen Ort fuer mich, habe ich doch hier 2013 einige Tage auf seiner Farm verbracht. Und auch Anni war schon dort zu Gast, als sie dort vor zwei Jahren ihre Tour auf dem Nordkalottleden beendet hat.

Unser Paket ist da und es ist schoen wieder hier zu sein! Wir duschen, waschen unsere Klamotten das erste Mal nach einigen Wochen wieder und quatschen mit den Helfern – dieser Ort hier ist wirklich ganz besonders, vor allem die herzliche, offene und ehrliche Gastfreundschaft ist wirklich herausragend!

Wir sortieren unsere neuen Lebensmittel und uebergeben den Helfern im Gaestehaus einen grossen Karton mit Schokolade und Riegeln, die wir ueber haben. Leider draengt uns der Wetterbericht am naechsten Morgen zum Weitergehen, nur zu gerne waeren wir laenger geblieben, aber die Pflicht ruft und wir verabschieden uns leider schon wieder.

Zuegig flitzen wir am Altevatn entlang zur Gaskashytta, der Wetterbericht weist fuer den Nachmittag und den naechsten Tag wirklich ungemuetliches Wetter mit ziemlich starkem Wind aus. Wir machen auf der Huette einen langen Tagesbesuch und staerken uns fuer die naechsten 17 Kilometer. Als wir gerade gehen wollen, treffen wir einen Wandersmann aus Berlin, Manuel ist auch schon laenger unterwegs und auf dem Weg in Richtung Abisko. Wir quatschen kurz, tauschen Infos aus und irgendwie komme ich ihm bekannt vor, nur auf den Namen kommt er nicht. Ich helfe ihm auf die Spruenge, wir muessen alle drei laut lachen, er hatte mein Buch gelesen und staunt jetzt nicht schlecht. Wir machen noch ein Photo zusammen und empfehlen uns dann, solche Begegnungen machen doch immer wieder grosse Freude!

Winter? Winter!

Mitten auf dem hochesten Punkt der Etappe erwischt uns dann das ueble Wetter. Binnen Minuten verdunkelt sich der Himmel und Frau Holle schlaegt richtig zu. Nasse Schneeflocken verwandeln die Umgebung in eine ungemuetliche Landschaft, die man so im September eigentlich nicht haben moechte, aber hei, so ein Wetter kann man in Norwegen immer und zu jeder Zeit haben. Also Handschuhe an und die Kapuze tiefer ins Gesicht gezogen, weiter geht es. Das usselige Wetter verleiht uns Fluegel und nach knapp vier Stunden machen wir einen Haken an die 17 Kilometer, wir beziehen die neue grosse Vuomahytta mit den Panoramafenstern. Es dauert etwas, bis es in der grossen Huette warm wird, dann aber umso mehr. Draussen heult der Wind, nasser Schnee klatscht an die Fenster und wir sitzen im Trockenen und Warmen – so einfach kann Glueck sein!

Da wir es heute nicht weit zur Dividalshytta haben, verschieben wir den Start auf spaeter, das Wetter soll dann etwas besser werden. Der Wind heult weiterhin unentwegt sein Klagelied, wir starten erst um 11 Uhr, lassen uns am Morgen viel Zeit. In der kleineren Huette hatte sich gestern Alice aus der Schweiz einquartiert und heute berichten wir ihr vom Wetterbericht. Sie wird wohl hier bleiben und den Pass in Richtung Gaskashytta erst einen Tag spaeter gehen, zu mies ist das Wetter. Wir ziehen los, fuer uns geht es durch tiefere Lagen, dort liegt noch kaum Schnee, aber gemuetlich ist es auch hier nicht. Als dann auch noch hier weiter unten Schneetreiben einsetzt, sinkt die Laune weiter und die Motivation, die Huette zuegig zu erreichen steigt im gleichen Masse. Da morgen die Elchjagdsaison startet, treffen wir noch ein paar Jaeger, die der fruehe Winter auch total ueberraschend getroffen hat und die darueber auch nicht wirklich gluecklich zu sein scheinen. Ihr Wetterbericht ruft bei uns auch keine Begeisterungsstuerme hervor, das werden wohl unerwartet harte Tage hier in der Gegend fuer uns, nur die Elche wird es wohl freuen, macht das Wetter ihren Haeschern doch die Jagd um einiges schwerer.

Wir folgen dem Dividalen hoch zur gleichnamigen Huette, die wir gegen Nachmittag erreichen. Hier liegt noch nicht so arg viel Schnee, aber auch das aendert sich gegen Abend zunehmend. Uns schwant langsam Ungutes, wir werden sehen und von Tag zu Tag schauen, wie und ob es weiter geht. Die dunkle Nacht bricht herein und ploetzlich ist es draussen beinahe taghell, der Vollmond ist ueber den Bergen aufgegangen, was fuer ein Schausspiel.

Ein ganz besonderes Geschenk

“Gratulerer med dagen!” hoere ich es aus dem Schlafsack murmeln, der mir gegenueber im anderen Bett liegt. Heute ist ein besonderer Tag, nicht nur, dass draussen weiter der Winter Einzug gehalten hat, nein, hier drinnen ist auch jemand wieder ein Jahr aelter geworden. Ich freue mich total, dass ich heute Anni bei mir habe und mit ihr zusammen diesen Tag begehen kann.

Das Geschenk wartet draussen in einer Landschaft, die einem beim Start den Atem stocken laesst! Die Sonne taucht alles in eine weiche, wunderschoene Winterlandschaft, wir freuen uns wie kleine Kinder und kommen aus dem Photografieren gar nicht mehr heraus. Naja bis, bis wir den Pass hinueber zur Dæertahytta erreichen und den Schlamassel sehen. Die Wege und Markierungen sind noch ganz gut auszumachen, aber was sich unter der Schneedecke befindet, ob Bach, Schlammloch oder Blockwerk, das laesst sich nur erahnen. Wir stolpern voran, blicken ehrfurchtsvoll auf die bis zum Horizont weiss bedeckten Berge vor uns und jeder von uns macht sich dabei so seine Gedanken, viel geredet wird nicht.

Die grosse Furt passieren wir noch bei recht gutem Wetter, aber dann wird es dunkler, man kann teilweise nur noch Schemen erahnen, die Landschaft um uns herum verschwindet, wir hangeln uns von Wegmarkierung zu Wegmarkierung. Ich hatte schon Touren im Winter, auf denen ich weniger Schnee unter den Skiern hatte, als wir nun haben. Der Weg zieht sich, Spass und Freude sind schon lange verschwunden, wir wollen nur noch die Huette erreichen. Das letzte Stueck zeigt sich dabei als besonders tueckisch, es geht muehevoll durch verschneites Blockwerk. Zwischendurch muss ich kurz lachen, die Steine um uns herum sehen aus wie eine gewaltige Pinguinkolonie in der Antarktis, aber als ich dann wieder tief im Schnee einbreche und wieder einmal umknicke, befinde ich mich ganz schnell wieder in der harten Realitaet.

Die Dærtahuette erreichen wir bald darauf, noch einmal lege ich mich mit Blick auf das Tagesziel so richtig auf die Fresse, anders kann man es einfach nicht beschreiben. Ein verdecktes Loch im Boden hebelt mich aus und ich lande mit dem Kopf voran im Schnee. Unschoen! Happy Birthday und alles Gute!

Auch diese Huette haben wir ganz fuer uns alleine. Anni startet den Ofen und ich hole Wasser und Feuerholz. Als ich zurueck komme, faellt mir auf, das scheinbar jemand ein Bier und eine Dose Ananas hier auf dem Kuechentisch hat liegen lassen! Wie geil denke ich noch, als mir auch noch die Norwegenfahne dabei auffaellt! Anni lacht sich kaputt und nimmt mich in den Arm, herzlichen Glueckwunsch zum Geburtstag noch mal! Erst jetzt faellt es mir wie Schuppen von den Augen, das Bier und die Ananas-Dose sind von Anni und ihr Geburtstagsgeschenk fuer mich, sie hat sie fast 120 Kilometer heimlich von Katterjokk bis hierher im Rucksack geschleppt! Wie cool ist das denn!

Die Stimmung am Abend ist dennoch nicht ganz so gut, aber nur wegen dem Wetter, wir diskutieren alle moeglichen Szenarien und Moeglichkeiten bis uns der Kopf raucht – wir vertagen die Entscheidung wie es weiter gehen soll auf den naechsten Tag.

Eine Entscheidung muss her

Beim Fruehstueck besprechen wir nochmal alles, aber es ist schnell klar fuer uns, dass wir heute versuchen wollen, ins Dividalen ins 22 km entfernte Frihetsli abzusteigen. Wir befinden uns auf knapp 700 Metern und muessten in den naechsten Tagen einige Paesse ueberwinden, die mehr als 1000 Meter hoch sind. Das erscheint uns zwar irgendwie machbar, aber die Konsequenz waere dann, dass wir es eventuell bis nach Kilpisjärvi schaffen wuerden, dort aber in der Sackgasse waeren, falls auch auf der finnischen Seite so viel Schnee gefallen ist wie hier, was wir fuer gegeben annehmen. Zudem wollen wir weder uns noch andere in Gefahr bringen, wenn es nicht unbedingt noetig ist. Zudem befindet sich hier auf der Huette ein Barometer, das seit gestern kraeftig gefallen ist. Also gibt es nur eine Entscheidung zu treffen: Wir laufen ins Dividalen!

Zu Beginn ist das Wetter noch ganz gut, aber dann zieht es wieder zu, es wird ungemuetlich, wieder faellt Schnee, wieder ist der Wind schneidend – wir haben jetzt hier einfach nichts mehr verloren. Wir passieren das Geisterdorf weiter unten im Tal, das den Sami von Zeit zu Zeit als Unterkunft waehrend der Rentiermarkierung dient und nun an verlassener Trostlosigkeit kaum zu uebertreffen ist. Ein Zwischenanstieg auf ueber 800 Meter Hoehe raubt uns auch die letzten Illusionen, der Winter ist da, mehrfach versinken wir bis ueber die Knie in Schneewehen und kommen zu Baechen, die dabei sind gerade zuzufrieren, die Ufer sind kaum noch auszumachen, die Ueberquerung ist mehrfach aeusserst ungemuetlich. Wir wollen nur noch raus und ins Tal, geben richtig Gas, obwohl das Wetter um uns herum nun richtig fordernd wird, was fuer eine Scheisse murmele ich in einer Tour, das ist jetzt nicht nur wirklich spassbefreit, sondern auch langsam echt gefaehrlich. Es dauert eine ganze Weile, bis wir endlich in den Bereich gelangen, wo es steil hinab ins Tal geht. Der Abstieg hat es nochmal richtig in sich, die letzten Meter sind wirklich steil und mittlerweile haben sich die Schneeflocken auch bis unter die Baumgrenze hinunter durchgeschlagen. Nach fast 6 Stunden fuer die 22 Kilometer stehen wir bei Frihetsli im Dividalen endlich auf der Strasse, endlich macht sich ein erleichtertes Gefuehl von Sicherheit breit. Wir pusten erstmal durch, muessen uns kurz sammeln und machen uns dann auf in die eigentlich falsche Richtung, denn die offenen und fuer jedermann kostenlos nutzbaren Huetten vom Statskog liegen entgegengesetzt zur Laufrichting von Morgen. Und da die erste Huette auch schon besetzt ist, gesellen sich bald 5 Kilometer extra, die wir natuerlich morgen wieder zurueck gehen muessen, zu unserem eigentlichen Tagespensum. Wir machen drei Kreuze, als wir dann endlich in der einfachen Fossbua-Huette sitzen, der Ofen bollert und wir mit leerem Blick etwas zu essen in uns herein schaufeln.

Frueh geht es zu Bett, heute gibt es nichts mehr zu tun, das Erlebte nagt und muss erst einmal verarbeitet werden. Wie wird es weiter gehen? Das wird sich morgen zeigen.

Um 6 Uhr klingelt der Wecker, um 8 Uhr brechen wir auf, wir wollen es bis zum naechsten Ort nach Øverbygd heute schaffen, dort gibt es einen kleinen Laden. Und dort wollen wir dann entscheiden, wie es weiter geht, allerdings sind es bis dorthin knapp 35 Kilometer auf der Strasse.

Die Zeichen stehen auf Planaenderung

Mit jedem Kilometer auf der Strasse werden die Gespraeche weniger, die Fussschmerzen mehr. Wir kommen ganz gut voran, doch beide haben wir ganz schoen zu kaempfen, schoen ist es gerade nicht. Klar, das gehoert dazu und wir ziehen das heute auch eisern durch, ganz egal wie viel Autos an uns vorbei fahren, den Daumen werden wir nicht herausrecken. Jeder fuer sich macht sich so seine Gedanken, bis wir ungefaehr 5 Kilometer vor dem Tagesziel auf der Strasse stehen bleiben und uns beide ansehen. Wir denken und fuehlen beide das Gleiche, das ist schnell klar. Der Blick auf die Schneekarte von Senorge.no weist Schnee in den hoeheren Lagen aus bis Alta und als wir auf Google Maps checken, wie weit es von hier bis Alta auf der Strasse, der beruechtigten E6 ist, sind wir uns einig, von Alta aus laufen wir zum Nordkap, aber nicht die kompletten 600 Kilometer von hier aus. Nicht aus falschem Ehrgeiz und nicht nur um sagen zu koennen, wir sind konsequent jeden Meter gelaufen, sei er auch noch so “oede”. Nicht falsch verstehen, bis hierhin sind wir wirklich jeden Meter, bis auf die kurze Bootspassage ueber den Namsvatnet, gelaufen. Wir haben die Seilbahn auf die Hardangervidda ausgelassen und haben auch immer unseren Rucksack komplett selbst getragen. Zu trampen oder uns mitnehmen zu lassen kam nie in Frage, niemals. Aber nun so weit auf der Hauptstrasse zu laufen erscheint uns beiden sinnlos, das entspricht nicht dem, was wir wollen oder uns erwarten. Klar, wir sind schon einige hundert Kilometer Strasse gelaufen auf dieser Tour, immer in Abschnitten, aber 600 Kilometer am Stueck? Nein, wir sind uns einig, nicht aus einem Impuls heraus, nein, aus rationaler Ueberlegung. Dass der Winter irgendwann kommt, war uns voellig klar. Und wir wollten dies auch bewusst so erleben, den einsetzenden Winter sehen, alle Jahreszeiten mitnehemen. Und der Oktober ist eigentlich auch noch ein guter Monat fuer Touren im Fjell, eine meiner schoensten Touren ueberhaupt habe ich Mitte Oktober in der Hardangervidda unternommen. Auch die Wetteraufzeichnungen bei Senorge stuetzen unseren Plan, seit 15 Jahren war der Winter noch nie so frueh und vehement am Start – wir haben einfach Pech und in diesem Jahr die Arschkarte gezogen. Aber sollen wir deshalb gross Truebsal blasen und uns Vorwuerfe machen? Klares NEIN! Unser Plan schien bis zuletzt optimal aufzugehen, wir lagen voll in der Zeitplanung. Aber das Wetter ist nun mal nicht planbar, niemals. Und den Blick auf die Fjellvettreglene (Regel-Richtlinien für Touren, erstellt vom DNT) und die entsprechenden Konsequenzen daraus sollte jeder immer im Kopf praesent haben, der im Norden auf Tour geht. Punkt.

Wir treffen also voellig fertig gegen 16 Uhr im Laden ein, sind etwas kopflos ob der wenigen Optionen, die wir nun haben. Ein junges Maedel an der Kasse meint noch, dass um 17 Uhr ein Bus in Richtung Tromsø fahren wuerde. Der Laden schliesst auch um 17 Uhr und hier im kleinen Ort gibt es auch keine Uebernachtungsmoeglichkeit, in der man einmal zur Ruhe kommen und weiter planen koennte. Es ist die Zeit fuer Entscheidungen und nicht fuer Zoegereien. Wir quatschen ein paar Leute an, die bereit sind, uns die 5 Kilometer zur Bushaltestelle zu fahren. Um 16:45 Uhr sitzen wir im Auto zum Bus und um 17 Uhr auch schon im Bus nach Tromsø. Ein Hotel ist auch schnell online gebucht und am naechsten Tag gibt es die Moeglichkeit weiter nach Alta zu fahren. Gesagt getan, manchmal muessen Entscheidungen getroffen werden, da bleibt keine Zeit zum Hadern oder gross ueberlegen, da stehen wir beide voll dahinter.

Und so sitzen wir am Abend in einem Hotel in Tromsø, kommen jetzt erst langsam runter und zur Ruhe. Der Rest ist schnell erzaehlt, der Plan steht. Wir nehmen den Bus nach Alta am naechsten Tag, legen dort bis Montag eine Pause ein und laufen dann den Rest zum Nordkap. In Tromsø machen wir noch einige Besorgungen, kaufen neue Schuhe für Anni, regeln all das, was umgeplant werden muss und spaet am Abend treffen wir dann nach 6 Stunden Busfahrt in Alta ein.

Der Samstag beginnt mit einer Ueberraschung, wir treffen uns mit Thomas und seiner Frau sowie Tobi zum Fruehstueck im Hotel. Thomas und Tobi haben vor kurzem jeweils ihre Norge på langs Wanderung am Nordkap beendet und sind beide zufaellig noch in Alta. So quatschen wir lange bei reichlich Kaffee und viel Essen ueber unsere Erlebnisse. Alleine dafuer hat sich unsere Entscheidung eigentlich schon gelohnt.

Nun aber heisst es, nach vorne zu gucken und ab morgen wieder loszulegen. Wir laufen weiter, keine Frage, ist doch klar!

12 Kommentare

  1. Helge

    Hej ihr Lieben!
    Zuerst einmal: “Gratulerer med dagen” (nachträglich) an dich, Simon! Ich wünsche dir von Herzen ein gutes, behütetes neues Lebensjahr mit vielen schönen, spannenden, aber auch entspannten Momenten! Dein Geburtstag selbst gehörte ja eher zu den aufregenden Tagen, hatte dann aber – wenn ich das richtig sehe – doch einen einigermaßen gemütlichen Abschluss. Und die Geburtstagsüberraschung von Anni war ja einfach klasse! 🙂
    Was ihr wieder erlebt habt, ist einfach der Wahnsinn. Die Bilder mit dem vielen Schnee geben ja nur einen kleinen Eindruck von dem, was ihr wirklich durchgemacht habt. Allein, wenn ich mir vorstelle, dass man bei jedem Schritt nie genau weiß, was einen UNTER dem Schnee erwartet… Das müssen unglaublich anstrengende und auch nervenaufreibende Stunden gewesen sein!
    Ich bin unglaublich froh, dass ihr das alles gut überstanden habt und vor allem, dass ihr gemeinsam die einzig richtigen Entscheidungen getroffen habt! Es ist vollkommen richtig, dass ihr euch nicht mehr als unbedingt nötig in Gefahr begebt – auch um nicht eventuell noch andere zu gefährden, wie ihr ja auch geschrieben habt. Meine Hochachtung vor dieser Entscheidung! Und es ist dann auch wirklich völlig richtig, nicht über 600 km am Stück auf der Straße zu laufen. Ihr müsst wirklich niemandem mehr etwas beweisen! Dass ihr nun also von Alta aus den “Rest” (so kurz ist der Abschnitt ja nun auch wieder nicht) gehen wollt, ist die einzig vernünftige und richtige Entscheidung. Ich hoffe, dass ihr diese nun auch gut so annehmen könnt und nicht allzu sehr “trauert”, dass ihr NPL nicht ganz so wie geplant zu Ende laufen könnt.
    Wahnsinn, was das Wetter in diesem Jahr für Kapriolen geschlagen hat. Ihr habt ja nun wirklich die gesamte Reise super sorgfältig geplant, aber den extrem frühen Wintereinbruch konnte nun wirklich niemand vorhersehen.
    Ich wünsche euch nun alles Gute für die letzte Etappe ab Alta und werde jeden Tag an euch denken. Ihr könnt bereits jetzt mega stolz auf das Erreichte sein und hoffentlich die letzten Kilometer noch richtig “genießen”. Herzliche Grüße in den Norden! Helge

  2. Ruth Baumann

    Meine Lieben ich lese atemlos euren Bericht, so von Herzen geschrieben und unglaublich detailliert. Da werden auch meine Finger klamm und ich rieche die Schneeluft. Einfach nur schön ist es euch zu folgen und mitzufiebern und -leiden. Machts gut und viel Herzwärme schicke ich euch aus der spätsommerlichen Schweiz. Ruth

  3. Helge

    Hej Ihr Lieben, ich sehe gerade, dass ihr in der Nähe der Aisaroaivve Kirche übernachtet habt und dass es dort auch ziemlich kalt ist. Von Alta bis dorthin habt ihr es in zwei Tagen geschafft. Ihr kommt also weiter gut voran und nähert euch dem Nordkapp in Riesenschritten. Ich hoffe, es geht euch gut. Bleibt behütet und genießt die Tage! Viele Menschen wandern weiter in Gedanken mit euch. 🙂 Liebe Grüße Helge

  4. Matze

    Hallo ihr zwei,
    eure Berichte sind sehr interesant und fesseln mich immer wieder aufs neue.
    Ich wünsche euch alles Gute auf den letzten Metern.
    Freue mich schon auf den Vortrag in Weil am Rhein.

    Gruß Matze

  5. Helge

    Hej ihr Lieben, jetzt ist es ja wirklich nicht mehr weit bis zum Nordkapp! Bald habt ihr es geschafft, aber es ist möglicherweise auch irgendwie ein komisches Gefühl nach so vielen Monaten unterwegs…
    Wenn ich eure aktuelle Position richtig deute, dann seid ihr jetzt direkt vor dem Eingang in den Nordkapptunnel. Müsst ihr da auch durch oder gibt es einen Weg “drumherum“? Wie auch immer: ich wünsche euch von Herzen richtig schöne letzte Kilometer, Tage und Stunden und sende liebe Grüße in den hohen Norden, Helge 🙂

    1. Anni
      Anni

      Hallo Helge, danke für deinen Kommentar! durch den Tunnel sind wir heute gelaufen, die einzige Alternative wäre schwimmen gewesen 😉 ja die Gefühle sind gemischt, aber wir freuen uns auch auf zuhause und alles.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.