Simons Blog

Dem Fernweh auf der Spur

Puh, eine ziemlich lange Zeit ist vergangen, seitdem ich mich hier zuletzt gemeldet habe. Genauer gesagt an Weihnachten habe ich davon berichtet, was gerade so hinter mir lag und euch allen einen guten Start ins neue Jahr gewünscht. Kurz drauf bin ich dann nach Dänemark entschwunden, um dort den Jahreswechsel in trauter Zweisamkeit bei einer langen Wanderung immer entlang der Küste von Klitmøller bis nach Hirtshals zu verbringen. Und was soll ich sagen, diese Tour war eine der schönsten überhaupt.

Ohne einen großen Plan zu haben sind wir einfach losgezogen und haben uns die salzige Meeresluft um die Nase wehen lassen. Die Tage waren kurz und die Luft frisch, wir genossen die Ruhe an den menschenleeren Stränden in vollen Zügen. Ich kann mir fast nichts Schöneres vorstellen, als zu dieser Zeit im Jahr an den weiten Stränden Nordjyllands wandernd zu verbringen. Die Naturlagerplätze in Dänemark sind für solch ein Vorhaben einfach unschlagbar, nur die Wasserversorgung war etwas schwieriger, die öffentlichen Wasserhähne ob des winterlichen Frostes durchweg geschlossen, aber wir konnten stets auf die Hilfe der gastfreundlichen Dänen zählen.

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Der Silvestermorgen begrüßte uns dann zum Abschluss dieses turbulenten Jahres mit einem Sonnenaufgang, wie ich ihn so in dieser Form erst ganz selten erleben durfte. Der Himmel um uns herum war vollkommen in zarte Rot- und Rosatöne getaucht, eine eiskalte Brise umwehte unser Zelt und wiegte den Strandhafer sanft hin und her. Der Ausblick auf den Vogelfelsen Bulbjerg in zwei Kilometern Entfernung und vor dieser Kulisse machte den Morgen einfach perfekt. Uns jedenfalls stand vor lauter Staunen der Mund offen, wir konnten unser Glück kaum fassen.

Ruhe und Erholung pur in Jylland

Weiter ging es über Torup-Strand, wo die Fischer mit ihren großen Booten direkt vom Stand aus auf Fangfahrt gehen, weiter nach Løkken. In dieser Hochburg des Tourismus quartierten wir uns bei einer älteren Dame in einem kleinen Bed & Breakfast ein und genossen die Ruhe am Strand und auf der Mole, von der aus wir lange den Lauf der Sonne bis zu ihrem Untergang am Horizont verfolgten. Der perfekte Start ins neue Jahr.

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Von Løkken aus ging es weiter nordwärts, wir hatten wieder den ganzen Strand für uns allein, nur das Rauschen der Wellen und der Wind begleiteten uns. Ein paar Möwen schauten hin und wieder nach uns, kleine Vögel flitzen manchmal im Stakkato-Schritt über den Stand auf der Suche nach Leckereien, die sie dann aus dem feuchten Sand pickten. Selten habe ich eine Wanderung so genossen wie diese, wir ließen uns treiben, immer entlang der Küste.

Ruhe, Stille und die Elemente um uns herum luden die leeren Akkus wieder voll auf, nachts schliefen wir wie die Murmeltiere einen langen erholsamen Schlaf in unserem Zelt. Wann schläft man normalerweise schon einmal zwölf Stunden am Stück? Und so verbrachten wir eine entspannte Zeit im Norden Dänemarks, passierten den in einer riesigen Wanderdüne gefangenen ehemaligen Leuchtturm Rubjerg Knude, wärmten uns in kleinen gemütlichen Cafés auf und schlugen uns dort den Bauch voll mit leckerem Kuchen. Die Wanderung hätte von uns aus für immer so weiter gehen können. Nicht weiter sagen, aber Dänemark über den Jahreswechsel ist einfach traumhaft schön, wir kommen ganz sicher wieder, versprochen.

Kindheitsträume werden wahr – ein Vortrag im Westfalenstadion

Zurück in Deutschland ging es dann mit vollen Akkus wieder los, die ersten Vorträge standen alsbald schon wieder auf dem Programm. Ein absolutes Highlight dabei war der Abend im Dortmunder Westfalenstadion, der Heimstätte meines geliebten Ballspielvereins Borussia. Auf Einladung der BVB-Fanabteilung durfte ich im Presseraum von meiner Wanderung berichten.

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Während des Vortrags saß ich auf dem Stuhl, auf dem ansonsten nach den Heimspielen die Trainer der Borussia Platz nehmen und den Journalisten Rede und Antwort stehen. Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich sofort wieder eine Gänsehaut, was für ein Erlebnis und was für ein Abend, dieses Erlebnis wird noch sehr lange nachhallen und ich werde diesen Vortrag mein ganzes Leben lang nicht vergessen.

Der Ruf der Wildnis – auf nach Grönland, oder nicht?

Der Start ins neue Jahr steht aber auch ganz im Zeichen der Vorbereitung auf ein neues Abenteuer. Zusammen mit meinen Kumpels Chris und Martin war ich ja im Oktober in Norwegen, gemeinsam haben wir den Hardangerjøkulen umrundet und eine unfassbar gute Zeit gehabt. Diese Tour war nicht nur ein großartiges Erlebnis, nein wir wollten auch ausprobieren, ob wir als Gruppe zusammen funktionieren und harmonieren. Im Hinterkopf spukte uns eine Tour in Grönland, die wir lose für den März ins Auge gefasst hatten. Die Tour in Norwegen lief bekanntlich bestens, wir verstanden uns super und es war schnell klar, dass wir die Tour in Grönland mit Ski und Pulkaschlitten definitiv machen wollten. Auch wollte Martin diese Tour nutzen, um dort sein photographisches Buchprojekt „Mein Norden“ zu einem spektakulären Abschluss zu bringen.

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Nun also ging es richtig los mit der konkreten Planung für Grönland. Es sollte in den Süden der gigantisch großen Insel gehen, genauer gesagt in den kleinen Ort Narsarsuaq. Dort landete einst Erik der Rote und gründete mit Brattahlíð die erste Wikingersiedlung Grönlands.

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Von dort aus wollten wir eine 20-tägige Wintertour unternehmen, die uns bis an den Rande des Inlandeises führen sollte. Die Besteigung des einen oder anderen Nunataks, der aus dem Eis emporragenden Berge, war ebenso geplant wie die Abbrüche einiger Gletscherzungen aus der Nähe zu betrachten. Viele Stunden Planung am Schreibtisch gingen ins Land, die Ausrüstung musste organisiert und gesichtet werden, die Logistik geplant werden. Alles fügte sich zu einem stimmigen Gesamtbild, die Tour versprach ein wunderbares Abenteuer zu werden.

 Hätte, hätte, Fahrradkette

Alles war geplant und die Vorfreude stieg von Tag zu Tag, ein Fernweh machte sich breit, das alsbald in der weißen Weite des arktischen Nordens gestillt werden sollte. Die Tage bis zur Tour wurden weniger und unsere Sorgen leider immer größer. Der Blick auf die Wetterbedingungen in der Gegend von Narsarsuaq verhieß nichts Gutes, es wollte einfach nicht genug Schnee fallen, um dort eine Skitour zu machen. Der Fjord dort ist zugefroren und es herrschen auch durchaus winterliche Minusgrade, aber das Klima scheint derzeit einfach zu trocken zu sein, als dass dort genügend Schnee fiele. Umso näher der Abflug rückte, umso mehr mussten wir der äußerst unangenehmen Tatsache ins Auge blicken: Eine Skitour dort wird einfach nicht möglich sein!

Wir haben hin und her diskutiert, haben Alternativen geplant und wieder verworfen, unzählige Male vor Ort nach den Verhältnissen gefragt – aber irgendwann stand fest: Eine Reise nach Grönland unter diesen unguten Vorzeichen macht für uns einfach keinen Sinn! Was für eine Enttäuschung! Kein Schnee in Grönland – ein Treppenwitz unserer ganz persönlichen Abenteuergeschichte. Insbesondere bei Martin sitzt der Stachel sehr tief, hat ihm doch Grönland zum zweiten Male in kurzer Zeit die Möglichkeit auf eine Tour versagt. War es bei ersten Mal noch die Fluggesellschaft, die ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, so ist es nun das unberechenbare Wetter. Aber was soll man machen? Gegen die Natur hat man einfach keine Chance, das musste ich ja im letzten Jahr schon einmal auf die eher unsanfte Tour am eigenen Leibe erfahren.

Weiter, immer weiter

Nachdem wir die Enttäuschung nun einigermaßen verarbeitet hatten, hieß es schnell wieder nach vorne blicken. Schnell kam uns beim Blick auf die Landkarte natürlich Norwegen in den Sinn. Dort kennen wir uns aus, die Verhältnisse scheinen derzeit super zu sein und mit einer Überquerung des größten Gletschers des Landes, dem Jostedalsbreen, rückte auch gleich eine adäquate Ersatztour in unseren Fokus. Aber was heißt hier eigentlich Ersatztour? Die Tour an sich ist ein norwegischer Winterklassiker, den „Josten på langs“ zu überqueren eine absolute Traumtour, von der viele träumen, die im winterlichen Norden unterwegs sind.

Schnell war der Plan fix, die Rahmenbedingungen abgeklopft und die Anreise sowie die Ausrüstung organisiert. Nun brechen wir also am nächsten Donnerstag auf, über Hirtshals fahren wir per Fähre am Freitag nach Norwegen. Mit dem Auto geht es dann weiter nordwärts bis in den kleinen Ort Pollfoss, der an der Straße zwischen den spektakulären Wandergebieten Tafjordfjella und Breheimen liegt. Von dort geht es los in ein neues Abenteuer, auf das wir uns nun unglaublich freuen. Unser Fernweh hat in diesem Frühjahr einige Höhen und Tiefen durchgemacht, aber nun schauen wir nach vorn, wir nehmen die Herausforderung an und machen das Beste daraus. Wer weiß wofür das alles gut ist, die nordischen Götter haben für dieses Jahr einfach etwas anderes mit uns vor. Wie auch immer, zwei Dinge hat mich der Norden gelehrt: Det ordner seg und ut på tur – aldri sur!

 In diesem Sinne, der Norden ruft und wir sind bereit für eine hoffentlich wunderbare Ostertour!

 Wer mit uns auf Påsketour gehen möchte, der kann dies gerne auf facebook oder bei Instagram machen, wir werden dort von Zeit zu Zeit berichten, was wir auf Tour erleben.

5 Kommentare

  1. Avatar
    bernd

    auch ich wünsche dir und euch eine gute zeit. bleibt gesund und bringt viele eindrücke mit zu uns.jaja den nordlandvirus haben wir uns auch eingefangen und wollen ihn auch nicht mehr her geben. hilsen bernd
    p.s. is mein buch angekommen?

    1. Simon
      Simon

      Hei Bernd!

      Vielen lieben Dank! Ja, wir haben viele sehr intensive Eindrücke mitnehmen dürfen. In Kürze dazu mehr. Dein Buch ist angekommen, auch deine Mail. Ich bin etwas hinten dran mit der Beantwortung, aber ich melde mich, versprochen!

      Beste Grüße und hilsen
      Simon

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