Beara Way 2011

Tag 3 Samstag 23.04.11 Glengarriff – Adrigole

So, nach ausgiebigem Schlaf wird gefrühstückt und der Rucksack gepackt. Die Wasserflasche ist Randvollmit diesem eklig süßem irischem Apfelschorlenderivat. Ich verlasse das Hostel und will dann mal meine Stöcke wanderfertig machen. Fluchend und wild gestikulierend stehe ich am Straßenrand und schimpfe wie eins Rohrspatz. Auf der letzten Tour bin ich auf den Stock gefallen, hab ihn leicht verbogen. Dann wieder zusammengeschoben und vor der Tour nicht wieder ausprobiert. Jetzt bewegt sich das Mistding nicht einen Millimeter und ich gebe auf. Na dann, muss es halt ohne Stöcke gehen.

Los geht es dann, zuerst der Straße, dem Ring of Beara, folgend. Nach kurzer Strecke ist der Weg etwas merkwürdig ausgeschildert, nach kurzer Suche finde ich ihn dann doch und es geht leicht über eine Teerstraße bergan. Dann wechselt der Weg auf einen schmaleren Fußweg und es geht in das Coomarkane Valley. Zwar immer auf der Straße entlang, aber trotzdem schön. Bis hierhin hat es schon ganz gut gedauert und es ist warm geworden.

Der Schweiß rinnt, der Sugarloaf Mountain wartet. Nun denn, ein nettes Schild warnt vor dem, was nun auf mich zukommt. Schöne Aussichten. Aber vom Rumstehen wird es auch nicht besser, los geht’s. Zu Anfange ist es recht steil, jedenfalls für mich, der hier ohne große konditionelle Vorbereitung läuft. Ich quäle mich den Anstieg hoch, unfassbar wie schwer es mir heute fällt. Egal, wenn alles gut läuft bin ich heute Abend in Adrigole Deutscher Meister.

Das Wetter ist echt gut, der Weg eigentlich auch, aber heute ist es eine einzige Qual. Dann wird der Weg auch noch fies matschig. Was ein Mist. Ich fluche vor mich hin und mache unendlich viele Pausen. Mühsam ernährt sich der Wanderer und irgendwann stehe ich dann oben. Unfucking unfassbar würde Ray Garvey jetzt sagen. Aber der Ausblick ist echt toll und entschädigt doch mal wieder für den Aufstieg.

Dann geht es wieder abwärts, vorbei am See Toberavanaha. Hier mache ich kurz eine weitere Pause und dann geht es weiter. Das Wetter wird zugiger ich komme zu einer Art Notausstieg für Wanderer, die keinen Bock mehr haben. Hier kann man zu einer Autostraße abbiegen. Aber gerade als ich das Schild sehe, versinke ich mit einem Bein bis übers Knie im Schlamm. Halleluja, das ist jetzt aber gerade mal unschön. Ich befrei mich aus der Umklammerung des Torfbodens und schon geht es weiter, natürlich ohne den Notausstieg zu benutzen. Jetzt geht es immer entlang eines Weidezaunes bergab.

Ein Weg ist nur schwer auszumachen, die Aussicht aber top. Das Geläuf weiß irgendwie nicht so zu gefallen, aber da muss ich jetzt durch. Am Ende komme ich wieder auf eine kleine Straße. Ich bin total am Ende, das Ganze war anstrengender als gedacht, die mangelnde Vorbereitung rächt sich. Ich folge der Straße und den Wegweisern und stehe dann bald schon in Adrigole, wo die Straße zu bekannten Healy Pass vom Ring of Beara abzweigt. Als erstes geht es dann ins Pub. Ich habe extra den ganzen Tag das Handy ausgelassen, wollte nicht den ganzen Tag darauf warten wie das Spiel in Gladbach ausgegangen ist. Jetzt aber will ich es wissen. Die Jungs im Pub wissen es leider auch nicht, also doch Handy. Tja, leider heute nichts, Dortmund hat es heute noch nicht geschafft. Egal, dann halt nächste Woche. Darauf ein Apple Cider

Ich schlage mein Zelt auf und gehe Duschen. Danach schlendere ich noch kurz zum Food Store die Straße runter und dann gibt es was zu Essen. Abends bin ich dann noch ins Pub und schreibe Tagebuch. Dann gute Nacht.

Tag 4 Sonntag 24.04.11 Adrigole – Casteltownbere

Das Wetter ist heute nicht besonders. Schnell wird gefrühstückt und das Gerödel wandert wieder in den Rucksack. Mal sehen ob ich es heute bis Castletownbere schaffe. Es geht wieder ein ganzes Stück an der Straße entlang. So richtig Spaß macht es nicht. Allerdings sieht man die ganze Zeit den Hungry Hill, der macht schon Eindruck. Dann zweigt der Weg von der Straße ab und es geht wieder ab in den Matsch. Endlich wieder Wandermatschwege. Meine Form ist unverändert schlecht, aber das tut jetzt nichts zur Sache. Der Weg ist schwierig und nervt. Dann geht es über Felsplatten den Bergrücken hoch. Die Aussicht ist dann echt toll und bald kommt man auf eine Green Road. Der muss man folgen, immer zu Fuße des Hungry Hills. Ich laufe auf eine Gruppe älterer Deutscher auf. Die Herren sind auf ihrem jährlichen Wanderausflug. Wir unterhalten uns nett und gehen ein Stück gemeinsam. Das Wetter ist langsam echt gut und die Landschaft weiß durchaus zu gefallen. Ich mache Pause, gehe dann weiter und dann noch einmal Pause. Ich werfe einen Blick auf meinen Rucksack und mich trifft der Schlag. Der Schultergurt ist direkt an der Befestigung am Rucksack eingerissen. Das blöde Plastikteil kann jeden Augenblick komplett reißen und dann stehe ich hier am Arsch der Welt ziemlich blöd da. Meine Stimmung ist echt dahin. Ich sammle mich kurz und überlege was zu tun ist. Wenn das Teil ganz kaputt geht, komme ich kaum weiter, zu reparieren ist es vermutlich eher nicht. Also gut, ich beschließe die heutige Etappe abzukürzen und die nächste Straße zu suchen. Vielleicht hab ich ja Glück und jemand nimmt mich mit. In Castletownbere kann ich dann ja überlegen was weiter zu tun ist.

Gesagt getan. Ich schleiche mich und komme bald auch auf eine Art Straße. Ich folge ihr und bald kommt auch schon das erste Auto. Es hält, total super, ich erkläre kurz meine Situation und werde bis Castletownbere mitgenommen. Ein Stein fällt mir vom Herzen. Ich komme in die Stadt und überlege wie es weiter geht. Einen Zeltplatz und ein Hostel gibt es nicht. Also mache ich mich auf die Suche nach einem Bed and Breakfast. Ich frage im Supermarkt nach, ich erhalte einen Tipp, aber das erste Bed and Breakfast ist ausgebucht. Beim zweiten habe ich mehr Glück. Es ist echt nett und das Zimmer ist auch gut. Ich gehe erst mal duschen und dann will überlegen was zu tun ist. Mit dem Wirt überlege, ob ich es reparieren kann. Wir haben keine Lösung.

Leider ist Ostern, und kein Laden hat offen, auch kein Outdoor oder Sportladen. Der nächst größre wäre wahrscheinlich der in Killarney, Kenmare oder Cork. Ratlosigkeit macht sich bei mir breit. Der Bus fährt auch nur sehr selten und wenn dann nur in Richtung Cork. Was nun was nun. Selbst wenn ich noch nen Laden finde, müsste der ja auch einen Rucksack haben, der mir passt. Auf einen teuren Kompromiss hab ich keinen Bock, dazu noch das hin und hergefahre und überhaupt. Irgendwie finde ich keine zufriedenstellende Lösung. Da hat man sich so lange auf eine schöne Tour gefreut und dann so etwas. Was soll ich bloß machen? Auch die Option abzubrechen kommt mir in den Sinn.

Ich bräuchte dann aber einen neuen, wenn möglich günstigen Flug und eine Verbindung per Bus oder Zug zurück nach Dublin. Ratlos rufe ich mal zu Hause an und bitte meine Schwester nur mal so auf gut Glück nach einem möglichen Flug zu suchen.

Ich bin zunehmend frustriert. Erst die Vorfreude auf den Trip, dann das Missgeschick mit dem Termin und dann so etwas. Ich überlege hin und her, vor und zurück, aber irgendwie hab ich echt keinen Bock mehr. Die mangelnde Fitness kommt noch hinzu. Ich konferiere mit zu Hause und checke die Busfahrpläne. Am Ende mache ich Tabularasa.

Meine Schwester hat einen Flug für Dienstag gefunden, er wird gebucht, die Busfahrt nach Dublin sollte auch morgen funktionieren, auch wenn sie wohl so um die 6 Stunden dauern wird. Irgendwie fühle ich mich mit der Entscheidung besser. Mal sehen ob ich es irgendwann bereuen werde. Den Rest des Tages verbringe ich mit Faulenzen, Essen und Biertrinken. Slainte

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