Rothaarsteig 2008

Tag 3 – 16. August 08 von Bruchhausen zur Ruhrquelle 25km

Der neue Tag begann nach einer ziemlich frischen Nacht mit einem leckeren Frühstück. Michael hatte extra seine kleine Kaffeemaschine mitgeschleppt und wir genossen den frischen Kaffee in den ersten Sonnenstrahlen des Tages. Ein paar „Goedemorgen“ weiter verabschiedeten wir uns dann vom Campingplatz und den ganzen Holländern. Micha hatte ne halbe Tube Arnika Creme auf den schmerzenden Waden verteilt und auch den Videotagebuch Eintrag hatten wir erledigt. In Bruchhausen frischten wir noch schnell die Flaschen mit Apfelschorle auf und schon konnte es los gehen. Da wir gestern vom Steig abgestiegen waren, mussten wir folglich heute wieder aufsteigen. Ein knackiger Anstieg führte uns zurück auf den Steig.

Kurz nach dem Start fanden wir die einzige richtige Rothaarsteighütte auf unserer Wanderung. Die anderen Schutzhütten bis dato waren eigentlich immer nur muffige und feuchte Hütten gewesen, in denen wir nicht hätten freiwillig übernachten wollen. Wir taperten weiter, vorbei am Kilometerstein 20 ging es in Richtung Richtplatz, wo in früheren Zeiten wohl der ein oder andere seinen Kopf verlor.

Wie heftig der Orkan Kyrill gewütet hatte, wurde uns immer mehr bewusst. Riesige Flächen kahlen Waldes bekamen wir immer wieder zu Gesicht. Die Waldbauern und Forstarbeiter mussten wohl ordentlich mit den Tränen gekämpft haben, als Sie das ganze Ausmaß gesehen hatten. Aber ein großes Kompliment, Sie haben wirklich hart gearbeitet und teilweise schon mit der Aufforstung begonnen. Am Richtplatz angekommen, trafen wir einige andere Wanderer und unterhielten uns noch ein wenig über die Schäden. Sie kannten den Steig noch von vor dem Orkan und waren regelrecht geschockt über das ganze Ausmaß der Zerstörung.

Nachdem wir uns gestärkt hatten und Micha einige Faxen fürs Videotagebuch veranstaltet hatte, machten wir uns auf, den höchsten Berg von Nordrhein-Westfalen zu erklimmen. Der Langenberg ist 843m hoch und liegt an der Grenze zu Hessen. Unterwegs hielten wir immer wieder mal einen Plausch mit anderen Wanderern. Nach einem weiteren Abschnitt durch von Kyrill Zerstörtes Gelände erreichten wir schließlich die Hochheiden Hütte in Niedersfeld. Wir beschlossen Rast zu machen und tankten mit einem Salatteller und einer Hopfenkaltschale neue Kräfte.

Als wir gerade mit dem Essen fertig waren, verfolgten wir gespannt, wie eine Gruppe Senioren, die sich auf der Hütte einen schönen Tag machten, einen Schießwettbewerb austrugen. Geschossen wurde mit einem Luftgewehr auf einen kleinen Holzvogel der an einer alten Fahrradfelge befestigt und mit Glühbirnen dekoriert war. Nachdem wir das Spektakel verfolgt hatten machten wir uns auf, einen der schönsten Abschnitte des Steiges in Angriff zu nehmen.

Direkt hinter der Hütte beginnt die Hochheide. Überall blühten Pflanzen und es wurden fleißig Heidel- und Preiselbeeren gesammelt. Inmitten der Hochheide befindet sich dann noch der Clemensberg, auf dem sich ein Aussichtspunkt befindet. Wir genossen den grandiosen Ausblick über die Berge und Täler sowie den Steinbruch direkt unterhalb des Aussichtspunktes. Nach kurzem Verweilen ging es weiter. Wir passierten die Hoppecke Quelle und machten uns auf, den Rest der heutigen Etappe in Angriff zu nehmen. Ziel sollte ungefähr die Ruhrquelle sein, in deren Nähe wir Zelten wollten. Es ging weiter durch die Wälder und unterwegs trafen wir immer wieder vereinzelt andere Wanderer und Mountainbiker. In der Nähe des Ortes Küstelberg kamen wir aus dem Wald heraus und mussten den Ort auf asphaltierten Wegen durchqueren. Wir beschlossen, in Küstelberg kurz unsere Wasserflaschen aufzufüllen und die Bundesliga Schlusskonferenz im Gasthof Astenblick zu verfolgen.

Das Auffüllen der Wasserflaschen an jeder sich bietenden Möglichkeit, können wir nur dringend empfehlen. Alle Quellen die wir passierten, waren entweder ziemlich unergiebig, um es freundlich zu sagen oder nicht gerade auf Trinkwasserniveau. Schon bald verließen wir wieder Küstelberg in Richtung Ruhrquelle. Am Wege passierten wir den Abschnitt Wagenschmiere und schon bald lag die Ruhrquelle vor uns. Wir überquerten die Landstraße, an der die Quelle liegt, und überlegten uns, wo wir übernachten sollten. Es wurde langsam spät und wir hatten schon über zwanzig Kilometer hinter uns. Da uns die Hütte direkt am Parkplatz der Quelle nicht zusagte und auch die Info Hütten zum Thema „Wirtschaftsraum Wald“ uns wenig einladend erschienen, beschlossen wir, der Beschilderung zur Ruhrquellenhütte zu Folgen. Diese sollte sich ca. 1,5km bergabwärts befinden. Eventuell konnte man ja an dieser Hütte zelten. Also gut, überredet, auf die paar Kilometer kam es auch nicht mehr an. Als wir dann unten ankamen, hatte die Hütte schon zu und auch der riesige Parkplatz an der Hütte erschien uns wenig einladend zum Zelten zu sein.

Kein Problem, ging es also zurück bergan zur Ruhrquelle, wo es ja die Info Hütten gibt und sich eine große Rinderweide befindet. Wir beschlossen dort zu Zelten. Zu Abend gab es Fertig Nudeln von Knorr, die aber nicht so ganz unserem Geschmack entsprachen. Nach dem Abendessen an den Tischen und Bänken an den Info Hütten wured es schnell kälter. Die Sonne war untergegangen und wir merkten die Strapazen des Tages. Meine Füße und Michas Waden schmerzten. Schnell wurde das Zelt auf der Rinderweide aufgeschlagen und wir muckelten uns in die Penntüten. Ein letzter Schlummertrunk mitgeführten schottischen Lebenswassers und wir verabschiedeten uns ins Land der Träume.

Der Lagerplatz war eigentlich ganz nett, würde sich nicht ungefähr 30m weiter die Landstraße befinden. Aber egal. Niemand störte uns oder nahm Anstoß daran, dass wir hier Zelten. Am Anfang dachten wir, bei jedem Auto, das auf den nahen Parkplatz fährt, dass wir jetzt fällig waren, aber nichts passierte.

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