Rothaarsteig 2008

Tag 4 – 17. August 08 von der Ruhrquelle zur Hoheleyer Hütte 16km

Der neue Tag erwartete uns erneut mit tollem Wetter. Die Lebensgeister kehrten zurück und schnell wurde das Zelt abgebaut und mitsamt unserer Sachen über den Stacheldraht Zaun zurück zu den Tischen gebracht. Micha kochte wieder Kaffee und wir stellten das Zelt noch zum Trocknen auf die Hackschitzelfläche vor den Info Hütten. Das Zelt trocknete schnell und das Frühstück stärkte uns für den Tag. Wir packten unsere sieben Sachen, verstauten das Zelt, und, wo wir schon einmal da waren, besichtigen wir noch die Info Hütten.

Dann ging es auf in Richtung Winterberg. Wir passierten die Ruhrquelle, oder was davon über geblieben war, und bald schon kam Winterberg in Sicht. Wieder führten uns Asphalt Wege in die Stadt und wir beschlossen, irgendwo unsere leeren Wasserflaschen mit Apfelschorle aufzufüllen. Gesagt getan. Es ist Sonntag, es wimmelte von Holländern und wir betraten die Innenstadt von Winterberg. Ein freundlicher älterer Herr machte uns darauf aufmerksam, dass nun für uns der gefährlichste Teil der Wanderung begann. Wir fragten wieso – er antwortete, dass von nun an bis hinter Winterberg eine ganze Reihe von Kneipen, Biergärten und Hütten uns vom Wandern ablenken könnten. Wir sahen uns an und bedankten uns für den Hinweis. Das konnte ja ein schöner Tag werden, dachten wir.

Und stark wie wir sind, kamen wir auch an den ersten drei Biergärten vorbei, erlagen dann aber doch dem Charme des Bistros „Uppu“. Wir bestellten ein Kaltgetränk und Micha stiefelte kurz los, neue Salbe für seine Waden zu besorgen. Die freundliche Bedienung füllte uns unsere Flaschen gegen geringe Gebühr mit Apfelschorle auf und wir genossen die Sonne. Nachdem Micha die neu erworbene Pferdesallbe verstaut hatte, ging es weiter.

Wiir verließen Winterberg, passierten die Skischanze und machten uns auf in Richtung des Kahlen Astens, seines Zeichens zweit höchster Berg Nordrhein-Westfalens. Nach einem kurzen Auf und Ab standen wir schließlich am Fuße des Kahlen Astens. Das Höhenprofil gab uns ca. 90 Höhenmeter Richtung Gipfel an und wir machten uns an den Aufstieg. Nach einem kurzen und knackigen Anstieg über schmale Pfade erreichten wir den Gipfel.

Wir beschlossen, wo wir schon einmal da waren, uns zu stärken. Oben am Gipfel befindet sich ein Aussichtsturm mit Hotel-Restaurant. Es wimmelte hier vor Sonntagsausflüglern und Motorradfahrern. Die Preise waren dementsprechend touristisch. Wir nahmen trotzdem eine Kleinigkeit zu uns und setzten uns in die Sonne. Die anderen Gäste um uns herum guckten uns, mit dem ganzen Gepäck das wir dabei hatten, an, als wären wir Außerirdische. Die meisten Blicke sprachen Bände.

Micha lud bei Wirt noch schnell den Akku der Videokamera und dann ging es schon weiter. Kurz unterhalb des Gipfels befindet sich dann noch die Lennequelle. Auch diese führte ziemlich wenig Wasser und wir waren froh, dass wir unsere Flaschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit auffüllten. Nach dem Abstieg vom Kahlen Asten führte uns der Steig über asphaltierte Wege vorbei an der DAV Hütte Elberfeld.

Wir passierten Neuastenberg und der nächste Ort der Tour war Langewiese. Dort sollte sich ein Kneipbecken befinden. Als dieses schließlich in Sicht kam, freuten wir uns ein Loch in den Bauch und stiegen hinab ins kühle Nass. Welch Wohltat für unsere Füße. Am Kneipbecken trafen wir einen älteren Radler, mit dem wir ins Gespräch kamen. Er erzählte uns, dass er den Rothaarsteig kurz nach Kyrill abgewandert war und Etappen von teilweise über 40km gemacht hatte (allerdings nur mit leichtem Rucksack von Pension zu Pension).

Solche Geschichten hörten wir öfters. Viele Wanderer, die wir trafen, erzählten uns, wie schnell und mit riesigen Etappenlängen Sie den Steig abgewandert waren. Am Ende sagten Sie dann meist, dass Sie den Steig gar nicht richtig genießen konnten, weil Sie so gehetzt waren. Wir sagten uns, dass wir dies nicht behaupten könnten, wir hatten bis dahin ne Menge Spaß und genossen jeden Augenblick.

Schnell ging es dann weiter. Wir liessen Langewiese hinter uns. Der Endspurt der heutigen Etappe lag vor uns. Entweder die Hoheleyer Hütte oder der Ort Kühude sollten dass Tagesziel sein. Unterwegs trafen wir noch zwei andere Wanderer die fast genau aussahen wie wir. Vollgepackt mit allen möglichen Sachen und großen Rucksäcken gingen Sie den Steig in die uns entgegen gesetzte Richtung. Wir sprachen kurz über unsere Erfahrungen und wünschten einander einen weiterhin schönen Weg. Einen knackigen Anstieg weiter kam dann die Hoheleyer Hütte in Sicht.

Wie wir fanden, ein überaus hübsches Plätzchen zum Zelten. Die Hütte befindet sich auf 730m direkt neben einem Biomilchbauernhof. Ein kurzer Blick auf die Speise- und Getränkekarte erhärtete unsere Pläne und nachdem wir die Bedienung nach einer Zeltmöglichkeit gefragt hatten, verwies Sie uns an den Chef. Der kam dann auch. Jörg ist der Wirt, Besitzer und Bauer des Hofes und freute sich sehr über unsere Anfrage. Kein Problem sagte er und zeigte auf eine Wiese direkt hinter der Hütte.

Au man, dachten wir, was für ein Typ. Aber wir hatten scheinbar mal wieder Alles richtig gemacht. Also ließen wir uns nicht lange bitten. Wir würden hier die Nacht verbringen. Eine sehr gute Wahl wie sich heraus stellte. Jörg ist ein super Typ und hatte auch einen spitzen Tag erwischt. Nach seiner Empfehlung bestellten wir uns das Rothhaarsteigschnitzel und freuten uns, dass wir wieder einmal so viel Glück mit unserem Zeltplatz hatten. Pöh a pöh verließen dann die letzten Gäste die Hütte. Auch uns wurde es draußen langsam frisch und wir begaben uns in die Höhle des Löwen in die Hütte.

Ein paar Einheimische und Feriengäste aus dem Ort saßen beim Bier zusammen und wir unterhielten uns prächtig. Da Jörg, wie gesagt, einen spitzen Tag erwischt hatte, bekamen wir auch die besten Geschichten des letzten Schützenfestes mit und konnten bald vor lauer Lachen nicht mehr. Wir tauschten uns mit einigen anderen Gästen über unsere Rothaarsteig Erfahrungen und so mache Dönekes aus.

Das Aufbauen des Zeltes hätten wir fast verpasst, aber wir bekamen noch die Kurve. Schnell wurde das Zelt aufgebaut und unsere Ausrüstung verstaut. Schließlich wollte uns Jörg noch die lokale Prominenz vorstellen, die gerade frische Milch auf dem Hof (oder auch leckeres Veltins auf der Hütte) abholen wollte. So lernten wir Jörgs Versicherungsvertreter und den WDR Regionalkorrespondenten Hans-Joachim Kupka kennen. Dieser stammte ebenfall wie wir aus Iserlohn und wir unterhielten uns eine Weile bis Jörg zum Kühe melken (wie er das geschafft hat war uns schleierhaft) und die anderen Beiden sich zurück zur Familie empfehlen mussten.

Wir machten uns noch kurz über den Whiskey her genossen die famose Aussicht bis die Sonne untergegangen war. Micha war schon im Zelt verschwunden, als ich noch einen Herrn traf, der mit dem Hund unterwegs war. Wir unterhielten uns noch eine Weile und auch ich verkroch mich dann müde und zufrieden in meinen Schlafsack

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