Rothaarsteig 2008

Tag 5 – 18. August 08

In der Nacht hatte es ein wenig geregnet, aber als wir aus unseren Schlafsäcken gekrabbelt waren, wurden wir einmal mehr von Sonnenstrahlen begrüßt. Bauer Jörgs Hütehund kam und begrüßte uns überschwänglich. Er wich uns bis zum Frühstück auch nicht mehr von der Seite. Wir packten unsere Sachen bis auf das Zelt ein und machten uns zurück zur Hütte auf, wo wir frühstücken und das Zelt in der Sonne trocknen wollten.

Während Micha sich der Morgentoilette widmete, baute ich das Zelt zum Trocknen auf. Anschließen ging ich hinunter zum Hof und suchte Jörg, um mir frische Milch für mein Müsli zu besorgen. Er war gerade im Melkstand und molk die Kühe. Als er mich sah, kam er kurz hinüber, gab mir Milch und erzählte wie es ihm ging. Scheinbar hatte der gestrige Abend seine Spuren bei ihm hinterlassen. Seine Frau schien seinem Vernehmen nach auch nicht so angetan gewesen zu sein. Aber so ist das halt, meinte er. Ich verabschiedete mich und ging wieder hoch zur Hütte um mit Micha zu frühstücken.

Auf dem Weg dachte ich mir noch, dass diese Bauern alle schon aus einem besonderen Holz geschnitzt zu sein. Jedenfalls hatten sie nie irgendwie Zeit sich dem Müßiggang zu frönen oder mal ne Pause zu machen um sich mal von einem Abend mit den Jungs zu erholen. Micha hatte unterdessen Kaffe gekocht und wir frühstückten. Das Zelt trocknete in Windeseile und bald schon konnten wir uns zurück auf den Steig machen. Es sollte ein walreicher Tag werden. Wir passierten den Albrechtsplatz und überquerten eine Landstraße. Über die Landesgrenze zum Siegerland ging es wieder bergan und schon bald mussten wir uns entscheiden: Wir konnten zwischen der Tal oder Kammvariante des Rothaarsteiges wählen.

Ein Blick auf die Karte und wir entschieden uns für die Kammvariante, die uns vorbei an einigen Skulpturen und einer Hängebrücke führen solte. Nun denn. Wir stiefelten los und schon bald entdeckten wir die erste Skulptur im Wald:

“Kein leichtes Spiel“ (von Ansgar Nierhoff / Entstehung 2000) thematisiert einen historischen und kulturellen Konflikt, der die Menschen aus dem westfälischen Sauerland und dem Wittgensteiner Land seit Menschengedenken trennt. Mitten im Wald auf der Höhe des Rothaarkamms steht an einer Wegekreuzung eine fast vier Meter hohe Stahlskulptur. Das Haupttor mit Nebentoren und Verschlussplatten ist aus einem gemeinsamen Ganzen heraus gebrannt und öffnet sich in verschiedene Richtungen. Der Ort ist still und lässt Wanderer an der Überwindung von Grenzen teilhaben.

Auf diesem Abschnitt des Steiges folgt der Rothaarsteig kurz dem Waldskulpturenweg. Gleich gegenüber der Skulptur befindet sich dann noch ein kleiner der Natur sich selbst überlassener Waldabschnitt. Diesen kann man auf eigene Gefahr hin durchwandern und sich ansehen, was passiert, wenn sich der Wald ohne Eingriff des Menschen entwickelt.

Ein wenig weiter kam dann die Ortschaft Kühude. Wir entdeckten das Wirtshaus und schauten einmal nach dem Rechten. Der Wirt war nett und wir hielten einen kleinen Plausch. Wir unterhielten uns über die Quellen am Steig und wie sich manch andere Wandere rücksichtslos im Wald verhalten. Selbst Pfadfinder scheinen nicht immer auf der Höhe der Zeit zu sein, wie er uns erzählte. Ein Bosch Bier weiter brach die Sonne wieder kurz hervor und wir genossen die Wärme. Unsere Flaschen wurden wieder mit Wasser aufgetankt und es ging weiter.

Kurz nachdem wir Kühude verlassen hatten, tauchte auch schon die nächste Skulptur auf.

Stein – Zeit – Mensch. Nils-Udo hat das Monument eines riesigen Felsens errichtet. Umrahmt von einer monumentalen Baumstammarchitektur, die an einen archaischen Tempel erinnert, bildet der 150 t schwere Quarzit ein Denk- und Mahnmal seiner selbst: seiner Größe, seiner zeitlosen Erdverbundenheit, seiner Einmaligkeit. Eingebunden ist das Werk in die stille Erhabenheit des Waldes, der somit Teil des künstlerischen Konzeptes ist. Dieser mächtigen Einheit ausgesetzt, erfährt der Wanderer seine eigene Zeitlichkeit und Verletzlichkeit.

Wir schossen ein paar Fotos und es kann weiter gehen. Das nächste vermeintliche Highlight des Tages wartete. Auf der Kammvariante sollte sich eine große Hängebrücke befinden. Wir folgten dem Steig ein wenig Bergab und schon standen wir an der Brücke. Die Brücke überquert das Ende einer kleine Schlucht und ist eigentlich gar nicht Teil des Steiges, sondern einfach eine Art Attraktion am Rande. Man kann bequem um die Kurve eines Waldweges gehen und schon steht man ebenfalls auf der anderen Seite der Schlucht.

Aber egal. Micha stellte die Kamera auf die eine Seite der Brücke und wir umgingen auf der Kurve die Schlucht. Eine super Video Einstellung von uns entstand dabei, als wir die Brücke überquerten. Sehr cool geworden das Ganze. Da wir ein wenig von der Brücke enttäuscht waren, machten wir uns schnell weiter auf Richtung Jagdhaus, dem Ziel der heutigen Etappe.

Unterwegs traen wir dann noch einen 84-jährigen Senior der zusammen mit seiner Frau durch den Wald wanderte. Wir kamen kurz ins Gespräch über seine Enkel und den Steig und empfahlen uns weiter. Den ganzen Tag ging es dann eigentlich nur durch den Wald. Wenige Ausblicke gab es auf dieser Passage. Das Wetter verschlechterte sich zunehmend. Wir hofften den Tag trocken zu überstehen. An der Millionenbank, einer kleinen Hütte am Weg wo sich die Tal und Kammvariante des Steiges wieder treffen, machten wir kurz Rast.

Micha holte das Barometer raus, es fiel. In uns reifte der Entschluss, eventuell heute schon Schluss zu machen. Wir könnten uns dann morgen noch ein wenig ausruhen, uns um die Ausrüstung, das Video und den Bericht kümmern. Erst einmal aber sollte es nach Jagdhaus gehen, wo wir endgültig entscheiden wollten, wie es weiter geht. Der Steig macht eigentlich einen Bogen um Jagdhaus. Auf direktem Wege, ohne dem Steig zu folgen, kommt man über Forstwege schnell und direkt nach Jagdhaus. Da wir ja aber bekanntlich den Steig erwandern wollten, folgten wir dem Rothaarsteig und machten dabei einen ordentlichen Bogen rund um Jagdhaus herum.

Nachdem wir dann auf das Restaurant „Schäferhof“ in Jagdhaus trafen, besprachen wir uns kurz und kamen zum Schluss, dass wir hier unsere Tour beenden. Das Barometer fiel weiter und es war Regen und Wechselhaftes Wetter angesagt. Hinzu kam, dass wir jetzt bei ungefähr der Hälfte des Rothaasteiges angekommen waren. Somit könnten wir im nächsten Jahr die andere Hälfte von Dillenburg aus erwandern und wieder in Jagdhaus die Tour beenden. Eine gute Idee wie wir fanden.

Also gesagt getan. Problem war nur, dass alle Leute die wir zum eventuellen Abholen erst für Morgen angesprochen hatten. Während also Micha etwas zu Essen und trinken orderte, rief ich Sara, meine Schwester an, und fragte, ob sie uns hier heute schon abholen könne. Glücklicherweise hatte sie Zeit und machte sich gleich auf uns abzuholen.Als wir so da mit unserem ganzen Gerödel vor dem Restaurant saßen, gesellten sich dann noch einige Wanderer zu uns. Die nächsten anderthalb Stunden die wir auf Sara warteten, gestalteten sich dadurch recht kurzweilig. Dann traf Sara ein und wir beluden das Auto mit unseren sieben Sachen.

Das war es also mit dem ersten Teil des Rothaasteiges für uns gewesen. Anderthalb Stunden später waren wir dann wieder zu Hause in Iserlohn und ziemlich geschafft. Für den nächsten Tag verabredeten wir uns dann noch zum Video und Bilder gucken, bevor wir Müde ins Bett fielen.

Epilog

Nachdem wir uns am nächsten Tag zum Video und Bilder gucken getroffen hatten, kamen wir zu dem Schluss, dass die Tour Alles gehalten hat, was wir uns davon so versprochen hatten. Wir waren uns nicht gegenseitig auf den Senkel gegangen und haben die ganze Sache nicht zu ernst genommen. Der Spaß stand immer im Vordergrund und wir hatten wirklich ein paar schöne Tage Urlaub und ne schöne Zeit. Viele lustige Anekdoten werden uns die Zeit bis um zweiten Teil der Tour verkürzen, auf dem uns dann hoffentlich auch Jörn begleiten wird. Vielen Dank noch an Alle die uns geholfen und unterstützt haben, in welcher Form auch immer.

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