Simons Blog

Sarek statt Island – mal wieder Plan B

Eine Planänderung auf den letzten Metern, mal wieder, und ich könnte gerade echt in die Tischkante beißen! Zum dritten Male in drei Jahren durchkreuzt mir das Wetter meine Wintertourpläne. 

Der Ablauf ist immer der gleiche, das Prozedere ist mir mittlerweile nur zu gut bekannt. Die Vorfreude auf die neue Tour steigt von Tag zu Tag ab dem Zeitpunkt, an dem die neuen Pläne feststehen. Man sichtet Landkarten, prüft und ergänzt die Ausrüstung, liest Reiseberichte und Reiseführer. 

Sarek

Umso näher die Tour rückt, desto öfter ruft man immer wieder die Wetterapp auf dem Handy auf und sieht nach den Schneebedingungen und dem Wetter in der Reiseregion. In Island gibt es sogar eine Webcam an unserem geplanten Startpunkt, jeden Tag rufe ich sie auf und sehe nach den Verhältnissen vor Ort.

Wo bleibt der Schnee? Ist das der Klimawandel?

Und was ich dort sehe, stimmt mich alsbald ziemlich nachdenklich, denn kaum Schnee liegt an unseren Ausgangspunkt! Der Untergrund ist fast immer zu sehen, der Schnee verdeckt kaum die Steine und das Geröll des Bodens. Ziemlich doof, denn der Ort liegt bereits ziemlich hoch und gibt so ein verhältnismäßig gutes Bild der zu erwartenden Verhältnisse im Hochland ab.

Kein Tag vergeht von nun an, an dem ich nicht mit einem mulmigen Gefühl und bangem Blick die Webcam aufrufe. Mal liegt etwas mehr Schnee, mal etwas weniger. Das Wetter taumelt wie eine Fahne im Wind, von Konstanz keine Spur. Immer wieder beseitigen Regen und Wärmeeinbrüche die weiße Pracht, es ist ein einziges Jammerspiel. 

Man hofft und bangt, aber mit jedem Tag, der vergeht, schwinden die Hoffnungen, dass wir dort wirklich eine vernünftige Wintertour machen können. Man möchte ja schließlich nicht seine Pulka auf dem Rücken über den steinigen Untergrund tragen müssen. Dass man bei solchen Bedingungen nicht viel Spaß haben dürfte, das sollte jedem klar sein.

Solche Bedingungen machen einfach keinen Spaß

Wieder einmal glühen die Telefondrähte, wir tauschen uns untereinander aus und diskutieren das Wetter. Aber es wird nicht besser. Was nun kommt, das kenne ich schon. Entweder man wartet und wartet und hofft und hofft und fährt trotzdem dorthin, nur um dann vor Ort festzustellen, dass es keinen Sinn macht loszuziehen – oder man sieht der Realität ins Auge und freundet sich langsam aber sicher mit einem Plan B an. 

Eine Planänderung kündigt sich an

Und so ist es auch diesmal. Da ich mich ja einer geführten Tour von PURETREKS angeschlossen habe, bekomme ich eine erste E-Mail von unserem Reiseleiter Jerome, in der er die Möglichkeit eines Plan B ankündigt. 

Die Alternative zu Island wäre in diesem Fall, dass wir nach Schweden fliegen, und uns zwei Wochen lang mit Ski und Pulka durch den winterlichen Sarek Nationalpark schlagen. 

Rumms! Der Sarek im Winter, genauer gesagt im Februar, das ist keine Urlaubstour als Ersatz, das steht mal fest. Kaum einer wird zu dieser Zeit in diesem Fjellgebiet unterwegs sein. Es ist einsam und wild dort, es gibt keine Hütten und markierten Wege. Und auch die Hütten, die am Rande des Parks als Ausgangspunkt dienen könnten, machen erst kurz vor unserer geplanten Reise auf. Aber es wäre eine würdige Alternative zu unserem eigentlichen Plan.

Alle Teilnehmer der Tour erklären sich bereit, bei diesem Plan B mitzuziehen, falls es mit Island nichts wird. Ich bin beeindruckt, hätte ich doch gedacht, dass der eine oder andere bei einer gebuchten Tour sofort enttäuscht von der Reise zurücktritt, sollte diese nicht so wie angekündigt stattfinden können. Aber nichts davon, das freut mich ungemein und spricht für alle meine Mitstreiter. Sehr gut!

Zwei weitere Wochen vergehen, es ändert sich nichts am unkonstanten und viel zu warmen Wetter. Eine Entscheidung kündigt sich an, viel länger können wir nicht warten, schließlich muss auch eine Alternativtour geplant und Flüge umgebucht werden. Und so kam es, dass ich am Donnerstag letzter Woche eine Nachricht von Jerome bekam: Wir fahren definitiv in den Sarek! Plan B kommt leider zum Tragen, unsere Winterdurchquerung des isländischen Hochlandes muss leider aus Ermangelung an Schnee ausfallen.

Die Enttäuschung weicht der Vorfreude 

Da sich diese Entscheidung schon länger abgezeichnet hatte, konnte ich schnell meinen Frieden mit dieser Entscheidung machen. Ich meine, Sarek statt Island – das ist jetzt nicht sooo schlecht! Der Anspruch der Tour ist mit Sicherheit vergleichbar. Man möge sich nur mal die Temperaturkurven im Sarek für den Winter anschauen. Es kann dort richtig zapfig kalt und herausfordernd werden, das Wetter uns richtig in den Hintern treten.

Also ist das bisherige Training nicht umsonst gewesen, der Winter erwartet uns nun also in Schweden. Ich freue mich total auf unser Abenteuer dort hoch im Norden, in Lappland. Bisher habe ich den Sarek nur kurz auf meiner Langtour 2013 gestriffen und damals ehrfurchtsvoll von Weitem betrachtet. 

Nun liegen die Wanderkarten vom Sarek vor mir und ich fange langsam an, meine Ausrüstung rauszusuchen. Am Donnerstag, den 23. Februar, werden wir dann den Flieger nach Stockholm nehmen, um von dort aus mit dem Nachtzug gen Norden aufzubrechen.

Eine wunderbare Wintertour wird uns erwarten, da bin ich mir sicher. Insgesamt neun Leute werden wir in unserer Gruppe sein, ein tolle Zeit liegt vor uns, dürfen wir doch mit dem Sarek eine Wildnis unter die Ski nehmen, wie es sie in Europa kaum ein weiteres Mal gibt.

Schauen wir nach vorn, nach Norden, Island läuft nicht weg, auch wenn die Vulkane derzeit mit einer stark erhöhten Aktivität anders tönen, irgendwann werde auch ich einmal dorthin reisen. Aber jetzt freue ich mich wie Bolle auf unser Abenteuer in Lappland!

8 Kommentare

  1. Avatar
    Frau Jule

    arctic circle express? viel spaß! damit bin ich kürzlich auch gefahren. es wird wundervoll werden! sowohl im zug, als auch in lappland. meine reise dorthin war viel zu kurz und ich bereue es ein wenig, nicht ein bisschen mehr wildnis auf meiner tour mitgenommen zu haben…
    liebe grüße,
    jule*

    1. Simon
      Simon

      Die An- und Abreise per Nachtzug von Stockholm aus war richtig klasse, perfekt um die Entfernungen zu erleben. Wildnis hatten wir genug, in neun Tagen haben wir keinen außer unserer Gruppe gesehen, einfach klasse. Und dann die Ruhe und Stille dort – es war der Hammer!

      Liebe Grüße Simon

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