Simons Blog

Das Ziel in Sichtweite – von Honningsvåg ans Nordkapp!

Wir machen es kurz: Wir haben es geschafft! Am 10. Oktober standen wir gemeinsam am Nordkapp!

Der Weg dorthin hat uns auch auf den letzten Metern ganz schön zu schaffen gemacht! Man muss sich das Ankommen auf jeden Fall wirklich verdienen, das steht mal fest!

Der Endspurt im Schneckentempo

Wir starten von Honningsvåg aus erst später am Tag, wir wollen etwa 20 km gehen und uns den Rest für den nächsten Tag aufheben. Wir trotten also die Strasse entlang, passieren den kleinsten Flughafen Norwegens und können eine kleine Maschine bei ihrem spektakulären Anflug beobachten, nichts für schwache Passagier-Nerven würde ich mal sagen!

Weiter geht es, nun führt die Strasse langsam aber stetig den Berg hinauf. Die Serpentinen schlauchen ganz gut, aber die Aussicht auf die Bucht nun schon weit unter uns ist wirklich beeindruckend! Nun zeigt sich auch, dass der Winter wirklich hier ist. Die Strasse ist stark vereist, das Räumfahrzeug überholt uns und die Umgebung ist komplett von Schnee bedeckt.

Auch hier machen wir an jedem Schild ein Photo! Das muss sein! Wir haben an jedem Schild seit Alta ein Bild gemacht!

Kurz vor Skarsvåg treffen wir einen Radfahrer, der schon eine ziemlich weite Strecke gefahren zu sein scheint. Sein Name ist Justin und wir kommen ins Quatschen, es sprudelt nur so aus ihm heraus wie ein Wasserfall. Er stammt aus Neuseeland und ist hierher von Südafrika aus gefahren! 11 Monate hat er dafür gebaucht, uns kippt die Kinnlade herunter!

Wir müssen beide weiter, der Wind ist schneidend kalt. Schade, nur zu gerne hätten wir seine Geschichten gehört! Er fährt nun zurück, will seinen Erfolg feiern gehen.

Wir gehen noch ein Stückchen weiter, wir wollen einen guten Zeltplatz finden, für die Nacht ist ziemlich starker Wind vorhergesagt. Kurz nach Skarsvåg sehen wir ihn dann, unseren letzten Zeltplatz der Tour. Wir wollten unbedingt noch einmal zelten und finden dann den perfekten Platz mit Aussicht hinüber zum Nordkapp!

Langsam stellt sich ein Gefühl von Abschied aber auch Ankommen ein, Euphorie sieht anders aus. Aber erst einmal machen wir es so gut es geht im Zelt gemütlich, denn bald schon bestimmen Nieselregen und fieser Wind das Wetter, beides flaut auch nicht ab, es geht die ganze Nacht hindurch so weiter.

Auf, auf ans Ziel

Da der Morgen richtig usselig ist, fällt es schwer, in die Gänge zu kommen. Ein letztes Mal Porridge zum Frühstück, ein letztes Mal die Sachen in den Rucksack stopfen, ein letztes Mal das Zelt abbauen. Die Handgriffe sitzen, werden aber ab Morgen wohl nicht mehr so sehr gebraucht werden für eine längere Zeit.

Wir laufen mit eiskalten Fingern und tief ins Gesicht gezogener Kapuze los, die Motivation heute schnell anzukommen übernimmt das Wetter nur allzu gerne, scheint es uns. Eigentlich ist alles wie immer, wir laufen wie im Autopilot, bestaunen die spektakuläre Landschaft und freuen uns einfach darauf, gleich anzukommen.

Die Kilometer fliegen vorbei, wir blicken uns immer wieder um, ob schon die Busse aus Honningsvåg zu sehen sind, die die Touristen täglich von den Kreuzfahrt- und Hurtigrutenschiffen hier hinauf fahren. Aber nichts zu sehen, nur zwei Autos überholen uns. Als erstes führt uns die Radarstation kurz vor dem Ziel an der Nase herum, von Weitem ähnelt sie doch dem Nordkapp.

Und dann ist es soweit, unser Ziel kommt in Sicht, wird immer grösser, kommt immer näher. Eintritt will keiner von uns haben, aber das hatten wir uns schon so gedacht. Nur ein paar Autos stehen auf dem großen Parkplatz, keine Menschenseele steht an der Weltkugel. Wir grinsen, darauf hatten wir insgeheim gehofft!

‘Cause love is free and life is cheap,
and as long as I’ve got me a place to sleep,
some clothes on my back and some food to eat,
then I can’t ask for anything more!
(Frank Turner – If ever I stray)

Langsam aber bestimmt laufen wir auf unser Ziel zu. Gemeinsam und Hand in Hand erklimmen wir die Stufen, gucken uns an und fallen uns gegenseitig um den Hals! Was für eine Reise, was für ein Moment! Wir sind weder traurig noch euphorisch, wir sind glücklich und zufrieden, denn wir wissen, dass unsere Reise noch lange nicht zu Ende ist!

Und nun sitzen wir in Honningsvåg im Hotel und müssen uns erst einmal durch den riesigen Stapel an Glückwünschen und Nachrichten kämpfen, der uns erreicht hat! WOW! Es ist unglaublich schön, jede einzelne Nachricht und jeden einzelnen Kommentar zu lesen! Wie krass, wie viele Leute uns die Daumen gedrückt und begleitet haben!

Danke! Danke! Danke!

Wir möchten an dieser Stelle euch allen da draußen Danke sagen! Allen, die uns begleitet haben, die uns Nachrichten und Kommentare geschickt haben. Die uns immer wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert haben, die uns in welcher Form auch immer geholfen und unterstützt haben! Wir sind unendlich dankbar für all die Hilfe und das Vertrauen, das uns beiden immer wieder entgegen gebracht worden ist! Wir sind sehr stolz darauf, dass wir diese Reise gemeinsam mit euch machen durften. Jeder Einzelne hat auf unterschiedlichste Art und Weise zum Gelingen beigetragen, und da kann man nicht oft genug Danke sagen! Hoffentlich sehen wir uns bald bei dem einen oder anderen Vortrag, auf ein Bier irgendwo oder im Stadion, in Dortmund oder Dresden, Hauptsache Fussball 😉 Bleibt uns gewogen, wir nehmen euch auch in Zukunft immer wieder sehr gerne mit!

Slow Rückreise

Ach ja, wie kommen wir eigentlich zurück? Heute morgen lang die MS Spitsbergen von Hurtigruten im Hafen von Honningsvåg, von unserem Hotelzimmer aus konnten wir sie sehen. Und genau mit diesem Schiff werden wir am Samstag in aller Herrgottsfrühe unsere Rückreise beginnen! Wir freuen uns schon unglaublich darauf!

18 Kommentare

  1. Ulrike Hermann

    Liebe Anni, lieber Simon,
    es ist geschafft ! Toll, dass Ihr die Ankunft am Nordkap bei klarem Wetter so genießen konntet.
    Mein Mann und ich haben jeden Tag mit gefiebert, die Daumen gedrückt, die Position auf der Karte verfolgt, den Blog gelesen und freuen uns jetzt mit Euch. Wir sind schon ganz gespannt darauf einen Eurer Vorträge zu besuchen und sozusagen aus erster Hand mehr zu erfahren.
    Es grüßen zwei Super-Norwegen-Fans aus dem Rheinland
    Ulrike und Jörg

  2. Christa Dörlich

    Liebe Anni, lieber Simon,
    ich habe Eure begeisterten Berichte mit ganz besonderem Interesse gelesen. Mein Sohn Rüdiger hat sich ja, “verführt” durch Simons Buch, vor gut 4 Monaten auch auf den Weg zum Nordkap gemacht.Er mußte leider eine kleine Pause einlegen, aber nun ist er kurz vor dem ersehnten Ziel. Ich bin sicher, daß er gut ankommt. Vielleicht trefft Ihr ihn noch. Wenn Ihr in Frankfurt oder Umgebung einen Vortrag haltet, werde ich kommen.

    Alles Gute für Euch und herzliche Grüße
    Christa Dörlich

  3. Michael Ecke

    Hallo, ihr zwei Giganten der Straße, sumpfigen Wege, der Fjelle, Berge, der Partner der Trolle und des Geistes von Norway, …beim lesen eures Dankesbekenntnisses, bekamm ich Gänsehaut am Körper und 2/3 kleine Tränchen rannten über die Wange, so ergriffen war ich, einfach so toll ihr zwei, macht mehr solche Sachen, LG Michael

  4. Helge

    “Slow Rückreise” – das ist ein gutes Motto und das Schiff ist sicher die beste Wahl, um ganz allmählich wieder zu Hause anzukommen. Ich wünsche euch eine wunderschöne Fahrt mit der MS Spitzbergen. Es wird sicher viel zu sehen geben auf dieser tollen Strecke! Und ich werde eure tollen Berichte und das Verfolgen eures aktuellen Standortes sehr vermissen…
    Ich wünsche euch von Herzen alles Gute für eure Zukunft und sende euch viele liebe Grüße, Helge

  5. Paul

    Hey ihr Zwei!
    Großartige Reise und dazu der Bericht, den ich förmlich aufgesaugt habe! Vielen Dank dafür und euch herzlichen Glückwunsch zu diesem Abenteuer! Ich dachte, ich lasse schnell Grüße da. Ich bin euch (unbekannterweise) Anfang September kurz vor Sulitjelma auf dem Padjelantaleden entgegen gekommen, als ich selber den NKL zuende gelaufen bin. Mir kam der BvB-Patch am Rucksack verdächtig vor und Jonas aus Dortmund hat mich später aufgeklärt, wer ihr seid. 😉 Auf jeden Fall wünsche ich euch eine tolle Rückreise, genießt die verbleibende Zeit im hohen Norden!
    Nur das Beste,
    Paul

  6. Mai Lahuerta

    wow, you made it!!!!!!! Congratulations!!!!!!!!! Incredible!!!!!!!
    It was so nice to meet you this summer! You will always be very welcome back, remember, mi case es tu casa….
    Best regards, Mai

  7. Sandra Schindler

    Liebe Anni, lieber Simon,
    herzlichen Glückwunsch und meinen allergrößten (Schulhof-) Respekt!!
    Ich freue mich auf ein Wiedersehen und das ich dann alle meine Fragen loswerden kann 🙂

    Ich bin ganz stolz auf Euch,
    Sandra

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